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Zwei Länder mit aussergewöhnlichem Kooperationspotenzial

Dr. Jörn Achterberg, Internationale Zusammenarbeit / International Affairs, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Zwei Länder mit aussergewöhnlichem Kooperationspotenzial

Welche Erfahrungen haben Sie mit der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit?

Meine persönlichen Erfahrungen reichen bis in die 1990er Jahre zurück, als ich noch in bilateralen Forschungsprojekten der Slavistik, unter anderem auch in St. Petersburg, tätig war. Die institutionelle Kooperation im Wissenschaftsmanagement habe ich dann ab 2006 durch unser DFG-Büro in Moskau kennenlernen dürfen. International zusammenzuarbeiten ist nie einfach und bleibt immer eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Aber ich schätze an unseren russischen Partnern das gewachsene gegenseitige Vertrauen und die Verlässlichkeit der Organisationen, mit denen wir zusammenarbeiten. Das ist die Basis für das hohe Niveau unserer bilateralen Zusammenarbeit. Und die herausragende Qualität der russischen Forschung in einzelnen Wissenschaftsbereichen führt immer wieder zu neuen Kooperationen mit Deutschland.


Welche sichtbaren Ergebnisse sind aus der Zusammenarbeit mit russischen Partnereinrichtungen inzwischen entstanden?

Angesichts der langen Historie unserer Zusammenarbeit - die DFG wird in diesem Jahr übrigens schon 100 Jahre alt -, gäbe es da vieles zu berichten. Die DFG hat bereits seit den 1920er Jahren, kurz nach der Gründung ihrer Vorgängerorganisation, engste bilaterale Kontakte gepflegt und die große Pamir-Expedition sowie Deutsch-Russische Wissenschaftswochen initiiert. Ein erstes Abkommen mit der Akademie der Wissenschaften wurde 1970 unterzeichnet. Ab den 1990er Jahren kamen dann russische Förderorganisationen und später auch Hochschulen als institutionelle Partner hinzu. 

300 Anträge mit einem Finanzrahmen von 100 Millionen Euro

Ein Erfolg ist gewiss die Eröffnung unseres Moskauer DFG-Büros 2003, wodurch wir unsere Beziehungen noch einmal intensivieren und neue Partner finden konnten. Seitdem fördern wir kontinuierlich mehr gemeinsame Projekte. So konnte die DFG allein im Zeitraum von 2017 bis 2019 über 300 Anträge mit Beteiligung russischer WissenschaftlerInnen in Höhe von rund 100 Millionen Euro finanzieren. 

Langjährige Leuchtturmprojekte

Aktuelle Leuchtturmprojekte sind unter anderem drei interdisziplinäre Großvorhaben, in denen allein hunderte ForscherInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen bis zu zwölf Jahre lang zusammenarbeiten können: Der deutsch-russische Sonderforschungsbereich (TRR 160) in der Physik (Dortmund und St. Petersburg), das Internationale Graduiertenkolleg (GRK 1956) in den Geisteswissenschaften (Freiburg und Moskau) und die Forschungsgruppe (FOR 2603) in der Literaturwissenschaft (Trier, Moskau und St. Petersburg).


Worin sehen Sie die besondere Bedeutung der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit und welche Ziele verfolgen Sie?

Russland und Deutschland sind beide große Wissenschaftsnationen mit einer langen - und vor allem auch - gemeinsamen Tradition. Beide Länder verfügen über enormes Kooperationspotenzial, da sie in einigen Forschungsbereichen weltführend sind. Die DFG will die besten WissenschaftlerInnen unserer Länder miteinander vernetzen und die besten Projekte fördern. Die Auswahl der Projekte erfolgt im freien Wettbewerb und in öffentlichen Ausschreibungen mit unseren Partnerorganisationen, der Russian Foundation for Basic Research (RFBR) und der Russian Science Foundation (RSF). 

Standardisierung und Qualitätssicherung

Dabei verfolgen wir natürlich auch wichtige Ziele im Wissenschaftsmanagement: Über die Vertiefung unserer institutionellen Kooperation sichern wir nicht nur die Ko-Finanzierung der Projekte auf russischer Seite, womit letztlich mehr Gelder in die Forschung fließen und unsere Ausschreibungen attraktiver werden. Durch die Begutachtung der Projekte zusammen mit unseren Partnerorganisationen setzen wir auch gemeinsame Standards und sichern die Qualität unserer Auswahlverfahren. Letztlich geht es uns als Dienstleister für die Wissenschaft immer darum, die Rahmenbedingungen für die Forschung zu verbessern und deren Finanzierung durch unsere Programme zu ermöglichen.


Welchen Schwerpunkt wollen Sie im dt.-russ. Themenjahr unter der Schirmherrschaft beider Außenminister für die deutsch-russische Wissenschaftszusammenarbeit setzen? Wie ist Ihr Ausblick in die Zukunft?

Auch in diesem Themenjahr leiten uns bei allen Formaten, wie den DFG-Leibniz-Lectures, zwei strategische Grundsätze: Die Förderung von Spitzenforschung und die frühzeitige Einbindung des wissenschaftlichen Nachwuchses in die Forschung. Insbesondere die Vernetzung der jungen Generation fördern wir durch die Reihe der Deutsch-Russischen Nachwuchswochen, die wir seit 2011 mit dem DAAD unter dem Dach des DWIH-Moskau ausrichten.

Kooperationsvereinbarungen mit den Staatlichen Universitäten Moskau und St. Petersburg

Ganz zu Beginn des Themenjahres, das ja den Hochschulkooperationen gewidmet ist, konnten wir ein Abkommen mit der Lomonosov-Universität abschließen und dort auch gleich unsere Nachwuchswoche ausrichten. Dadurch haben wir jetzt sowohl mit der Moskauer als auch mit der St. Petersburger Staatlichen Universität, also den beiden führenden Hochschulen Russlands, Kooperationsvereinbarungen unterzeichnet. Diese Partnerschaften ermöglichen es uns, neue Wege in der Zusammenarbeit zu gehen und flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren. Insofern fällt der Blick in Zukunft positiv aus, selbst wenn unser traditioneller DFG-Sommerempfang in Moskau wegen der Ausbreitung des Coronavirus wohl nicht stattfinden kann. Die Pandemie setzt - wie in allen Lebensbereichen, so auch in der Wissenschaft - eine Zäsur, aber wir fangen ja nicht wieder bei Null an, sondern starten auf der Basis extrem belastbarer Kooperationen.


Welche Empfehlungen geben Sie, auf Basis Ihrer Erfahrungen, anderen Akteuren mit auf den Weg?

Die internationale Zusammenarbeit ist ein spannendes Tätigkeitsfeld, aber man braucht schon einen sehr langen Atem. Wissenschaftskontakte sind oft schwieriger aufzubauen, halten aber dafür umso länger und überdauern vieles. Selbst in politisch turbulenten Zeiten sind Wissenschaftsbeziehungen Brücken zwischen Ländern. So wächst gerade auch in Krisenzeiten, wie momentan während der Corona-Pandemie, das Vertrauen in die Wissenschaft. Es gibt also viele gute Gründe, eine Karriere in der Forschung zu verfolgen und neue Kooperationen zu starten. Warum nicht mit Russland? Die Regierungen unserer Länder haben dafür mit einer deutsch-russischen Roadmap für die nächsten zehn Jahre beste Bedingungen geschaffen.


Dr. Jörn Achterberg
Internationale Zusammenarbeit / International Affairs 
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
German Research Foundation 
Tel. +49 (228) 885-2494
Joern.Achterberg@dfg.de