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Zukunft mit Tradition

Prof. Dr. Dr. h. c. Ursula Hirschfeld, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
 Abteilung Sprechwissenschaft und Phonetik

Zukunft mit Tradition

Welche Erfahrungen haben Sie mit der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit?

Zwischen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Staatlichen Universität Woronesh (VSU) gibt es seit den 1960er Jahren enge wissenschaftliche Kontakte. Seit 1976 existiert ein Universitätsvertrag, an dem jeweils mehrere Fachrichtungen beteiligt sind. Insbesondere die Sprechwissenschaft, deren Lehr- und Forschungsschwerpunkte im Bereich der mündlichen Kommunikation liegen, ist in dieser Kooperation von Beginn an aktiv. Die bisherigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit sind überaus positiv. Grundlage dafür sind insbesondere das persönliche Engagement der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ideelle und finanzielle Unterstützung durch die Universitätsleitungen und, in den letzten 20 Jahren, die Einwerbung von Mitteln aus DAAD-Programmen.


Welche sichtbaren Ergebnisse sind aus der Zusammenarbeit zwischen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Staatliche Universität Woronesh auf dem Gebiet der germanistischen Sprach- und Sprechwissenschaft entstanden und welche Ziele werden verfolgt?

Von Beginn an war die Zusammenarbeit in der akademischen Lehre mit der Forschung eng verbunden, so dass gemeinsam an wissenschaftlichen Fragestellungen gearbeitet, gemeinsam publiziert und gemeinsam Tagungen ausgerichtet wurden.

Von 2006 bis 2016 bestand eine durch den DAAD geförderte germanistische Institutspartnerschaft zwischen der Abteilung für Sprechwissenschaft und Phonetik (MLU) und dem Lehrstuhl für Deutsche Philologie (VSU). Ziel war es, die Lehrinhalte und -formen am Lehrstuhl für Deutsche Philologie in Woronesh fachlich und methodisch mit dem Schwerpunkt mündliche Kommunikation in der Fremdsprache Deutsch umzugestalten. Damit erlangten dortige Absolventen im Hinblick auf zukünftige Berufschancen eine höhere Qualifizierung für den Arbeitsmarkt, insbesondere für den Einstieg bei dort ansässigen deutschen Unternehmen.

Nach dem Ablauf der GIP konnten durch das Vladimir-Admoni-Doktorandenprogramm des DAAD (2017-2019) zehn russische Doktorandinnen der germanistischen Sprach- und Sprechwissenschaft gefördert werden. Das Admoni-Programm, an dem von deutscher Seite aus auch die Universität Hamburg mitwirkt, wird seit Januar 2020 in einer zweiten Runde fortgesetzt. Neben Doktorandinnen aus Woronesh nehmen weitere aus Universitäten in Chabarowsk, Kasan, Moskau und Wladiwostok teil (http://vap.sprache-interaktion.de/). Damit wird der wissenschaftliche Nachwuchs in unserem Fach nachhaltig gesichert.

Seit dem Wintersemester 2014/2015 unterstützt die MLU in den Bereichen Sprechwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft den an der VSU angebotenen Masterstudiengang “Fachkommunikation Wirtschaftsdeutsch“ inhaltlich durch die Möglichkeit eines einjährigen Mobilitätsfensters für Studierende der Universität Woronesh an der MLU. Ziel ist es, hochqualifizierte Fachkräfte für in Russland ansässige deutsche Unternehmen, russische Unternehmen mit engen Beziehungen zu Deutschland oder für den deutschen Arbeitsmarkt selbst zu gewinnen. 


Worin sehen Sie die besondere Bedeutung der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit?

Die Förderung der deutschen Sprache und Kultur in Russland ist für die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland in Wissenschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft von elementarer Bedeutung. Unsere Zusammenarbeit soll zur beiderseitigen Erweiterung der fachlichen, sprachlichen, interkulturellen und methodischen Kompetenzen von Studierenden, Promovierenden, Lehrenden und Forschenden beitragen und die Aufgeschlossenheit für gesellschaftliche, sprachliche und kulturelle Vielfalt fördern.


Welchen Schwerpunkt wollen Sie im dt.-russ. Themenjahr unter der Schirmherrschaft beider Außenminister für die deutsch-russische Wissenschaftszusammenarbeit setzen? Wie ist Ihr Ausblick in die Zukunft?

Die fachlichen Schwerpunkte der Partnerinstitutionen liegen im Bereich der mündlichen Kommunikation, davon profitieren die beteiligten Institutionen und die beteiligten Personen in hohem Maße. Sowohl auf institutioneller als auch auf persönlicher Ebene kommt es zu einem substantiellen akademischen Austausch, der wiederum zu qualitativen Verbesserungen in Forschung und Lehre führt. Ein wesentliches Ziel der nächsten Jahre ist die erfolgreiche Umsetzung des Vladimir-Admoni-Doktorandenprogramms, mit dem eine neue Generation von Nachwuchswissenschaftlern im Bereich der Germanistik in der Russischen Föderation unterstützt wird.


Welche Empfehlungen geben Sie, auf Basis Ihrer Erfahrungen, anderen Akteuren mit auf den Weg?

Für eine erfolgreiche langfristige Zusammenarbeit russischer und deutscher Wissenschaftler ist neben der Unterstützung durch die Universitätsleitungen und einer finanziellen Absicherung von Lehr- und Forschungsprojekten vor allem das persönliche Engagement der verantwortlichen Kooperationspartner*innen wichtig. 



Prof. Dr. Dr. h. c. Ursula Hirschfeld

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Abteilung Sprechwissenschaft und Phonetik
Emil-Abderhalden-Str. 26-27
D-06108 Halle (Saale)

Tel.: +49/0345-5524475 / Fax: +49/0345-5527053
E-Mail: ursula.hirschfeld@sprechwiss.uni-halle.de
https://www.sprechwiss.uni-halle.de/kontaktinformationen/mitarbeiterinnen/ursula_hirschfeld/