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Zusammenarbeit der UFU mit Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen Deutschlands

Viktor Kokscharow, Rektor der Uralischen Föderalen Universität (UFU)

Zusammenarbeit der UFU mit Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen Deutschlands

Das Deutsch-Russische Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2019/2020 soll der Zusammenarbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beider Länder neue Impulse geben und das Zusammenwirken zwischen Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen transparenter machen. An welchen mit dem Themenjahr verbundenen Initiativen hat die UFU teilgenommen und welche Ergebnisse haben sie gebracht? Welche Praktiken erwiesen sich als wirksamste?

Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uralischen Föderalen Universität nahmen am Deutsch-Russischen Forum der universitären Forschung teil, das am 2. und 3. Dezember 2019 in der nationalen Forschungsuniversität MISIS in Moskau organisiert wurde. Dies ist eine der Highlight-Veranstaltungen des Themenjahres, das 2018-2020 unter der Schirmherrschaft der Außenminister beider Länder stattfindet.

Im Rahmen des Forums besprachen mehr als 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Expertinnen und Experten aus Russland und Deutschland aktuelle Fragen der Wissenschaftsentwicklung an Hochschulen und akademischen Einrichtungen sowie die Möglichkeiten zur Unterstützung der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit. Darüber hinaus nahmen an dem Forum der Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, der Vorsitzende des Kuratoriums der Russischen Akademie der Wissenschaften, Andrej Fursenko, sowie repräsentative Delegationen von Partnern der Russischen Akademie der Wissenschaften in Deutschland – der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Helmholtz-Gemeinschaft – teil. Auf dem Programm standen auch Treffen junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, unter anderem im populären Format der Science Slams, das 2010 in Deutschland erfunden wurde und heute in Russland sehr populär ist. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der UFU gründen aktuell eine deutsch-russische Organisation junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Während des Themenjahres bewarben sich die Forscherinnen und Forscher der UFU aktiv für kofinanzierte Ausschreibungen, z.Bsp. der Russischen Stiftung für Grundlagenforschung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie für Stipendien im Rahmen von DAAD-Programmen (Michail-Lomonossow- und Immanuel-Kant-Programm). 

Zum Beispiel wurde 2019 das Projekt „Magnetische Hybridmaterialien mit komplexer interner Wechselwirkung“ (Andrey Zubarev, Doktor der physikalisch-mathematischen Wissenschaften, Professor am Lehrstuhl für theoretische und mathematische Physik des Instituts für Naturwissenschaften und Mathematik (IENIM), führender Wissenschaftler des Labors für mathematische Modellierung physikalischer und chemischer Prozesse in mehrphasigen Umgebungen des IENIM) von der Russischen Stiftung für Grundlagenforschung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft kofinanziert. Die Partnerorganisation in Deutschland ist die Technische Universität Dresden.

Ein weiteres Beispiel ist die Bewilligung des Praktikums von Alla Dobrosserdowa, Kandidatin der physikalisch-mathematischen Wissenschaften, Dozentin am Lehrstuhl für theoretische und mathematische Physik, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Labors für mathematische Modellierung von physikalischen und chemischen Prozessen in mehrphasigen Umgebungen. Von September bis Dezember 2019 nahm sie an dem dreimonatigen Michail-Lomonossow-Programm teil. Das Praktikum „Messungen von inversen Kurven erster Ordnung (Magnetisierung) in Systemen von magnetorheologischen Elastomeren“ fand an der Technischen Universität Dresden statt. Professor Stefan Odenbach war ihr wissenschaftlicher Berater. Ziel war die Durchführung von Forschungsarbeiten zum Thema „Messungen von inversen Kurven erster Ordnung (Magnetisierung) in Systemen von magnetorheologischen“.


Welche Veranstaltungen im Rahmen des Deutsch-Russischen Jahres 2018-2020 der Hochschulkooperation und Wissenschaft bewerten Sie als die interessantesten und bedeutendsten?

Im August 2019 fand die deutsch-russische Sommerschule „Smart Electricity and Engineering“ in Dortmund in Partnerschaft mit der Technischen Universität Dortmund statt. Es nahmen Studentinnen und Studenten der Uralischen Föderalen Universität und der Technischen Universität Dortmund sowie junge ExpertInnen von „Rosseti Ural“ (21 Teilnehmer von russischer Seite und 20 von deutscher Seite) teil, die sich aktiv mit den Themen intelligente Stromnetze, erneuerbare Energiequellen, Energieversorgung und -dienstleistungen und nachhaltige Energieverteilung beschäftigten. Die zweiwöchige Sommerschule umfasste Vorlesungen, Projektarbeiten, Workshops, Unternehmensbesuche und Lehrausflüge zu Energiethemen für Masterstudentinnen und -studenten der Ingenieur-, Technik- und Naturwissenschaften, junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Spezialistinnen und Spezialisten aus Partnerunternehmen des Projekts.


Die epidemiologische Situation hat große Veränderungen in den Aktivitäten der Hochschulen bewirkt, auch in Bezug auf die akademische Mobilität. War es dennoch möglich, zumindest einen Teil der akademischen Mobilitätsprogramme mit deutschen Hochschulen im Rahmen des Jahres durchzuführen? Was ist als nächstes in dieser Richtung geplant?

Die neue Coronavirus-Pandemie setzte die internationalen akademischen Mobilitätsprogramme vorübergehend aus, aber die Aktivitäten der Uralischen Föderalen Universität zur Entwicklung aktueller und aussichtsreicher Projekte mit deutschen Hochschulen im Bereich des akademischen Austauschs wurden fortgesetzt. Die meisten der für das Studienjahr 2019/20 geplanten akademischen Mobilitätsprogramme zwischen der UFU und ihren deutschen Partnern wurden umgesetzt.

Im Studienjahr 2019/20 studierten im Rahmen bilateraler Vereinbarungen (einschließlich des EU-Programms „Erasmus+“ für akademische Mobilität) sechs deutsche Studierende an der UFU aus den folgenden Hochschulen: Europa-Universität Viadrina (zwei Studierende), Hochschule Heilbronn für Angewandte Wissenschaften (zwei Studierende), Universität Erlangen-Nürnberg (ein Studierender), Technische Universität Chemnitz (ein Studierender). Drei dieser Studierenden wurden an der Uralischen Föderalen Universität online unter Quarantänebedingungen ausgebildet (zwei von ihnen blieben sogar auf eigenen Wunsch während der Pandemie in Selbstisolation in Jekaterinburg im Wohnheim der UFU).

Neun Studierende der UFU studierten im Studienjahr 2019/20 an deutschen Hochschulen (vier von ihnen mit „Erasmus+“-Stipendium): an der Europa-Universität Viadrina (zwei Studierende), an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof (vier Studierende), an der Humboldt-Universität zu Berlin (ein Studierender), Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (ein Studierender), Hochschule Heilbronn (ein Studierender). Drei dieser Studierenden studierten nach der Schließung der Grenzen im virtuellen Format an der Hochschule Hof.

Es wurden bereits Optionen der Umsetzung der geplanten Maßnahmen zur Studierendenmobilität im akademischen Jahr 2020/21 vereinbart: Direktstudium bei Öffnung der Grenzen und Online-Studium bei geschlossenen Grenzen, mit der Möglichkeit der Fortsetzung des Direktstudiums an der Gasthochschule, falls die Grenze während des Semesters geöffnet wird.


Mit welchen Hochschulen in Deutschland arbeitet die UFU zusammen? In welchen Bereichen und Projekten? Welche Ergebnisse würden Sie besonders hervorheben? 

In den letzten Jahren arbeitete die UFU mit mehr als 100 deutschen Universitäten und wissenschaftlichen Organisationen zusammen. Am aktivsten ist dabei (was sich in der Anzahl der jährlichen, in der Datenbank Scopus indizierten gemeinsamen wissenschaftlichen Publikationen widerspiegelt) die Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden und den Forschungsinstituten der Leibniz- und Helmholtz-Gemeinschaften aus derselben Stadt (Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden, Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf), der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Universität Hamburg, Technischen Universität Darmstadt, Universität Bremen und Universität Trier sowie dem Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching, und dem Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften, Leipzig.

Im Folgenden erläutere ich einige Beispiele für die Zusammenarbeit mit diesen Universitäten und Instituten. Nehmen wir etwa die Astronomie. Die einzige russische Max-Planck-Partnergruppe arbeitet am Standort des Labors für Astrochemie und extraterrestrische Physik des Instituts für Naturwissenschaften und Mathematik der Uralischen Föderalen Universität. Der deutsche Partner ist das Zentrum für Astrochemische Studien am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, Garching. Das Thema der gemeinsamen Grundlagenforschung, die am Standort der Gruppe durchgeführt wird, ist die chemische Evolution der interstellaren Umwelt sowie die Entstehung und Entwicklung komplexer organischer und präbiotischer Moleküle im Weltraum. Leiter der Gruppe ist Anton Wasjunin (UFU), PhD der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Deutschland, Leiter des Labors für Astrochemie und extraterrestrische Physik, Dozent des Lehrstuhls für Astronomie, Geodäsie, Ökologie und Umweltüberwachung. Zur Gruppe gehört auch die Postdoktorandin Anna Punanowa, die an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) promovierte. In den letzten zwei Jahren wurden über ein Dutzend gemeinsamer Artikel in führenden internationalen Zeitschriften veröffentlicht. 

Weitere Bereiche sind magnetische Materialien, Sensorik und additive Technologien. Schlüsselperson der Uralischen Föderalen Universität ist Wladimir Waskowskij, Doktor der physikalisch-mathematischen Wissenschaften, Professor, Leiter des Lehrstuhls für Magnetismus und magnetische Nanomaterialien, führender Wissenschaftler des Lehrstuhls für Magnetismus von Festkörpern am Forschungsinstitut für Physik und angewandte Mathematik. Zu diesem Thema werden gemeinsam mit deutschen Universitäten und Wissenschaftsorganisationen Forschungen durchgeführt, deren Ergebnisse in gemeinsamen Publikationen dargelegt sind.

Der dritte erwähnenswerte Bereich ist die Mathematik und theoretische Informatik. Hier ist Schlüsselperson unserer Universität Michail Wolkow, Doktor der physikalisch-mathematischen Wissenschaften, Professor, führender Wissenschaftler des Labors für Kombinierte Algebra von IENIM. Michail Wolkow, Humboldt-Alumni, ist derzeit Mercator-Professor im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts „Moderne Komplexitäten formaler Sprachen“. Das Stipendium wird von Professor Henning Fernau von der Universität Trier verwaltet.

Nikolaj Chlebnikow, Kandidat der physikalisch-mathematischen Wissenschaften, Direktor des Instituts für Fundamentalbildung, Dozent am Lehrstuhl für intellektuelle Informationstechnologie, ist für die Anwendung von Methoden des maschinellen Lernens bei Analyse natürlicher Sprachen an der Universität verantwortlich. Die wissenschaftliche Einrichtung ˗ Partner ˗ in Deutschland ist das Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften, Leipzig.

Das wissenschaftliche Team des Labors MULTIMOD und des Lehrstuhls für Theoretische und Mathematische Physik arbeitet seit mehr als 10 Jahren erfolgreich mit den deutschen Kollegen der Friedrich-Schiller-Universität (Jena) und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (Köln) zusammen.

Die weitere gemeinsame Forschung in verschiedenen Bereichen der Geisteswissenschaften, auch interdisziplinär, ist ebenfalls vielversprechend. So verfügen unsere Historiker über umfangreiche Erfahrungen mit der Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen und dem Phänomen des historischen Gedächtnisses. Vor allem geht es um die historischen Erfahrungen der interregionalen Zusammenarbeit zwischen den Industriegebieten Russlands und Deutschlands. Vielversprechend ist auch das Thema der intellektuellen Reflexion über Konflikte und Aggressionen in der menschlichen Natur. Hier handelt es sich um die philosophische Anthropologie im Dialog zwischen Deutschland und Russland. Es ist auch wichtig, die gegenseitige Wahrnehmung von Russland und Deutschland im Informationsraum sowohl in der modernen Welt als auch in der historischen Perspektive weiter zu untersuchen. 

Im Rahmen jedes dieser Themen sind wir bereit, uns an der Gestaltung von Anträgen auf Zuschüsse von russischen und deutschen Wissenschaftsstiftungen zu beteiligen. Wir freuen uns auch auf die Zusammenarbeit mit unseren deutschen Kolleginnen und Kollegen und auf Gegenvorschläge von ihrer Seite.