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Mit Hilfe der Nachwuchsförderung internationale wissenschaftliche Kooperationen stärken und fördern

Prof. Dr. Valerii Ivanovich Bukhtiyarov, Direktor des Boreskov-Instituts für Katalyse der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie für Wissenschaften

Mit Hilfe der Nachwuchsförderung internationale wissenschaftliche Kooperationen stärken und fördern

Welche Aktivitäten hat die Russische Akademie der Wissenschaften (RAW) im Rahmen des Themenjahres unterstützt?

Die russisch-deutsche Zusammenarbeit ist für beide Länder von beiderseitigem Interesse und hat sich lange vor dem Themenjahr entwickelt. Ein gutes Beispiel ist das German-Russian Interdisciplinary Science Center - G-RISC, das seit 2009 die Aktivitäten von russischen und deutschen Nachwuchswissenschaftlern in bilateralen Projekten finanziell unterstützt. Ein weiteres Beispiel sind die kofinanzierten Förderprogramme des RNFBR und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie des RNF und der DFG. In den Jahren 2018-2020 sind noch weitere Förderinstrumente hinzugekommen.

Die bilaterale Zusammenarbeit kann nur dann unterstützt werden, wenn dafür Mittel zur Verfügung stehen. Leider hat die RAW nach der Reform im Jahr 2014 keine Mittel gehabt, um bilaterale Forschungsprojekte zu finanzieren. Die RAW hat aber mit einzelnen Projekten am Themenjahr teilgenommen, so zum Beispiel am Wettbewerb "Brücken für die deutsch-russische Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit". In unserem Labor verwenden wir aktiv  G-RISC Fördermittel. Zwei unserer MitarbeiterInnen haben bereits am Fritz-Haber-Institut in Deutschland geforscht. Und wir hatten einen Nachwuchswissenschaftler des Fritz-Haber-Instituts zu Gast. Ein weiterer Aufenthalt eines jungen Wissenschaftlers des Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion (Mülheim an der Ruhr) ist durch die Pandemie leider nicht zustande gekommen. Ich hoffe, das wir das in naher Zukunft nachholen können.


Auf welche Aspekte der Zusammenarbeit zwischen WissenschaftlerInnen aus Russland und Deutschland legt die RAW besonderen Wert? Gibt es Schwerpunktbereiche für gemeinsame wissenschaftliche Projekte?

Es gibt viele Bereiche, in denen wir mit deutschen KollegInnen zusammenarbeiten, ich möchte drei hervorheben, die für unser Institut am interessantesten sind und meiner Meinung nach auch für die deutsche Seite von Priorität sind. Der erste Bereich ist die Unterstützung großer Forschungsinfrastrukturen in beiden Ländern. Das sind XFEL (X-Ray Free-Electron Laser) und CERN (Europäische Organisation für Kernforschung), die die Russische Föderation kofinanziert. In der Russischen Föderation gibt es das JINR (Vereinigte Institut für Kernforschung in Dubna) sowie die Zentren NICA (Komplex supraleitender Ringe auf schweren Ionen-Gegenstrahlen in Dubna) und PIK (Internationales Zentrum für Neutronenforschung auf der Grundlage des PIK-Hochstrom-Forschungsreaktors in Gatchina), die wiederum von Deutschland kofinanziert werden. Des Weiteren haben wir in der Berliner Forschungseinrichtung "Elektronenspeicherring-Gesellschaft für Synchrotronstrahlung m.b.H. (BESSY)" eine gemeinsame Forschungsstation RGBL (Russian-German Beam Line). Wir planen aktuell ein Partnerlabor in Russland.

Das Boreskov-Institut für Katalyse der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie für Wissenschaften ist am Bau der Synchrotronlichtquelle SKIF Generation 4+ (Zentrum für kollektive Nutzung "Sibirische Ringphotonenquelle") maßgeblich beteiligt. Im vergangenen Jahr gab es einen Präsidialerlass zur Entwicklung eines Synchrotron- und Neutronenforschungsprogramms zur Bau einer Synchrotronlichtquelle in der Region Nowosibirsk. Der Standort wurde bereits ausgewählt, umfassende technische Untersuchungen sind abgeschlossen und die Entwurfsvermessungsarbeiten sind im Gange. In diesem Jahr sollen sie fertiggestellt werden, und ab dem nächsten Jahr, nach Abschluss der Abnahme durch die staatlichen Behörden, kann mit dem Bau begonnen werden.

Ein weiterer wichtiger Bereich der russisch-deutschen Zusammenarbeit ist das Thema Energie und vor allem die Nutzung alternativer Energien. Wir verstehen alle, dass die Gewährleistung der Energieunabhängigkeit sowie Sicherheit für alle Länder, einschließlich Russland und Deutschland, äußerst wichtig ist. Vor nicht allzu langer Zeit begann ein interministerieller Dialog über die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit, und der stellvertretende Minister für Wissenschaft und Hochschulbildung der Russischen Föderation, Sergej Wladimirowitsch Ljulin, und der Staatssekretär des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Wolf-Dieter Lucas, trafen sich per Videokonferenz.

Im Rahmen dieses Dialogs, an dem ich und der Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemische Energiekonversion Professor Robert Schlögl, teilnahmen, wurden die Besonderheiten der Wasserstoffenergieexperimente erörtert, und es wurde beschlossen sogenannte Memorandum of Understandings auf diesem Gebiet auszuarbeiten. Ich bin sicher, dass dies zu gemeinsamen Projekten führen wird. So hat Deutschland beispielsweise ein aktives Interesse an der Gewinnung und Nutzung von Wasserstoff im Energiesektor. Die Wasserelektrolyse ist immer noch eine ziemlich teure Methode zur Herstellung von Wasserstoff, so dass eine alternative Methode zur Herstellung von Wasserstoff aus Erdgas als vielversprechend angesehen wird. Das wiederum bedeutet, Deutschland über die Nord Stream 2-Pipeline mit Erdgas aus Russland zu versorgen und vor Ort Wasserstoff zu produzieren.

Der aus meiner Sicht dritte zentrale Bereich der russisch-deutschen Zusammenarbeit und der für uns besonders wichtig ist, ist die Katalyse, die im Mittelpunkt von 90 Prozent der chemischen Technologien steht. Es liegt auf der Hand, dass die Entwicklung neuer, vor allem umweltfreundlicher chemischer Technologien notwendig sind. Mit unserer Partnergruppe Titan KNTP bereiten wir ein umfassendes wissenschaftlich-technisches Projekt für die Entwicklung von petrochemischen Technologien in der Region Omsk vor. Eines der Hauptziele dieses Projekts ist zu erforschen, wie wir die Umweltschäden durch chemische Technologien verringern können. Technologien ohne chemische Produkte ist aktuell noch undenkbar aber unsere Aufgabe ist es sie "grün", sauber und abfallfrei zu machen. Und in diesem Bereich haben wir Vorschläge, die für unsere deutschen Partner von Interesse sind.


Wie viele junge WissenschaftlerInnen gibt es heute in internationalen Forschungsgruppen? Wie sollten wir Ihrer Meinung nach junge Leute für die internationale Forschungsgemeinschaft gewinnen?

Meiner Meinung nach ist es notwendig, mit Hilfe NachwuchswissenschafterInnen die internationalen wissenschaftlichen Beziehungen zu stärken und zu fördern. Viele ForscherInnen des Instituts für Katalyse im Alter von 30-35 Jahren haben bereits zahlreiche Verbindungen zu deutschen KollegInnen in ihrer Altersgruppe. Sie lernen sich auf Konferenzen kennen, verfassen gemeinsame Artikel, beteiligen sich an Fachgutachten und gemeinsamen Projekten, und dies bildet eigentlich die Grundlage für die weitere Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland im wissenschaftlichen Bereich.