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Russland–Deutschland: Auf lange Zeit erprobte Zusammenarbeit

Vladislav Y. Panchenko, Mitglied der RAW, Vorsitzender des Rates der Russischen Stiftung für Grundlagenforschung (RFBR)

Russland–Deutschland: Auf lange Zeit erprobte Zusammenarbeit

Das Deutsch-Russische Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018-2020 soll der Zusammenarbeit der WissenschaftlerInnen beider Länder neue Impulse geben und das Zusammenwirken zwischen Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen transparenter machen. Werden von Ihrer Stiftung Forschungsprojekte gefördert, die im Rahmen des Themenjahres realisiert werden? Auf welche Weise erfolgt das? 

2020 ist für die Russische Stiftung für Grundlagenforschung (RFBR) ein besonderes Jahr mit Blick auf die Entwicklung der deutsch-russischen Beziehungen. Wir feiern 25 Jahre Zusammenarbeit mit der ältesten deutschen Stiftung - der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft). Für die RFBR wurde die Deutsche Forschungsgemeinschaft zu einem der ersten ausländischen Partner. Das im Jahr 1995 zwischen der RFBR und der DFG unterzeichnete „Memorandum of Understanding“ legte den Grundstein für die Umsetzung gemeinsamer russisch-deutscher Forschungsprojekte. 

In den letzten Jahren wurden rund 1.000 gemeinsame wissenschaftliche Projekte gefördert. Allein auf russischer Seite konnten rund 10.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Forschung teilnehmen. Ergebnis ihrer Arbeit waren Veröffentlichungen in internationalen Rating-Ausgaben. Heute sind die an gemeinsamen russisch-deutschen Projekten arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Hauptteilnehmer des Deutsch-Russischen Jahres der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018/2020. Dies ist nämlich eine Plattform für die Zusammenfassung der Ergebnisse des bereits Erzielten und für die Diskussion der Pläne für die Zukunft. Die weltweite Grundlagenforschung integriert sich von Jahr zu Jahr immer schneller. Die Gründe für diesen Prozess sind absolut objektiv: Die Forschung wird komplexer und teurer. Die Kooperation und Zusammenstellung von finanziellen und intellektuellen Ressourcen ermöglichen es, wirklich große Projekte umzusetzen. Dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass russische und deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an gemeinsamer Forschung interessiert sind, zeigen die Zahlen. Im Jahr 2020 wurde eine Rekordzahl von Projekten – 60 – gefördert. Insgesamt wurden 120 gemeinsame russisch-deutsche Arbeiten finanziert. 


Wie hat das Deutsch-Russische Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018/2020 die Arbeit der RFBR beeinflusst? Welche Forschungsthemen erfreuen sich derzeit bei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Russland und Deutschland großer Beliebtheit? Wird mehr gemeinsame Forschung durchgeführt? 

Die RFBR beteiligt sich aktiv am Deutsch-Russischen Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018-2020. Beispielsweise beantragten die von der RFBR geförderten Forschungsteams die Teilnahme an der offenen russisch-deutschen Ausschreibung „Russland und Deutschland: Wissenschafts- und Bildungsbrücken“. Bei der RFBR kann die Teilnahme an der gemeinsamen RFBR-DFG-Ausschreibung für jeden Wissenschaftsbereich beantragt werden. Die meisten Anträge werden in Wissenschaftsbereichen wie Physik und Astronomie, Chemie und Materialwissenschaften, Biologie und Medizin eingereicht. Die Zukunft stellt uns vor komplexe wissenschaftliche Aufgaben, bei denen wir an der Schnittstelle der Geistes- und Naturwissenschaften arbeiten müssen. 

Die Zahl der an gemeinsamer Forschung orientierten russisch-deutschen Teams steigt. Für die Ausschreibung 2015 wurden 50 Anträge eingereicht und für die Ausschreibung 2020 mehr als die vierfache Zahl: 215. 


Wie stark sind junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus beiden Ländern an der russisch-deutschen Wissenschaftszusammenarbeit beteiligt? Steigt die Zahl der jungen Menschen in der Wissenschaft im Laufe der Jahre? 

Die Basis für den Erfolg der Wissenschaftsentwicklung wird von modern denkenden, begabten und begeisterten jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gelegt. Die RFBR ist sich dieser Tatsache bewusst und hat eine Reihe von Zuwendungen gewährt, um ihre Bestrebungen zu unterstützen. Eine solche Unterstützung für junge Menschen führt zu bestimmten Ergebnissen. Zum Beispiel sind fast alle Träger des Preises des Präsidenten der Russischen Föderation im Bereich Wissenschaft und Innovation für junge Wissenschaftler in verschiedenen Jahren RFBR-Stipendiaten. Des Weiteren plant die Stiftung, ihre Bemühungen zur Unterstützung begabter Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler Russlands nur zu verstärken. 

Die RFBR verfügt über bemerkenswerte Erfahrungen im Rahmen des von der DFG entwickelten Programms „Internationale Forschungsgruppen mit Partizipation junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“, das den Aufbau und die Unterstützung gemeinsamer Aktivitäten unter Beteiligung junger Wissenschaftskandidaten, Doktoranden und Studenten der höheren Semester aus beiden Ländern fördern soll. Dieses Programm ist in Deutschland sehr populär. Daran nahmen die Universitäten Gießen, Marburg und München aus Deutschland sowie russische Forschungsteams der Moskauer Staatlichen Universität teil. Zusammen mit der DFG wurden 60 Projekte finanziert.  

Junge Wissenschaftler nehmen aktiv an den RFBR-DFG-Ausschreibungen teil. Wenn sie in den unterstützten Projekten im Jahr 2015 51 % aller Teilnehmer ausmachten, waren es im Jahr 2020 60 %. Es freut mich festzustellen, dass junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur an gemeinsamen russisch-deutschen Projekten teilnehmen, sondern auch Forschungsteams leiten. Mehr als 10 % der unterstützten Projekte wurden von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern geleitet. 

Im Laufe von 25 Jahren fand die Zusammenarbeit zwischen der RFBR und der DFG in einer Atmosphäre der intensiven Entwicklung der kulturellen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland statt. Besonders aktiv wurde die gemeinsame Forschung entwickelt, sowohl im Bereich bahnbrechender Grundlagenforschung als auch bei der Errichtung von Großforschungsanlagen mit Weltniveau. Die gesamte 25-jährige Geschichte unserer gemeinsamen Arbeit bringt die Förderinstitutionen auf die Ebene einer strategischen Partnerschaft.