• Über das Themenjahr
  • Partnerschaften im Themenjahr
  • Themen und Projekte
  • Leuchtturmprojekte
  • Forscherporträts
 

Deutschland-Russland: Das Jahr ist zu Ende, die Partnerschaft geht weiter

Viktor Smirnov, stellvertretender Ressortleiter für internationale Zusammenarbeit des Ministeriums für Wissenschaft und Hochschulbildung der Russischen Föderation

Deutschland-Russland: Das Jahr ist zu Ende, die Partnerschaft geht weiter

Sehr geehrter Viktor Mikhaylovich, nach der Intention der Organisatoren sollte das Deutsch-Russische Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft der bilateralen Zusammenarbeit neue Impulse verleihen und ihre Effektivität erhöhen. Ist das gelungen? Welche Bedeutung hat das Themenjahr Ihrer Meinung nach für die weiteren Beziehungen zwischen Russland und Deutschland im Wissenschafts- und Hochschulbereich?

Unsere Länder blicken auf eine eindrucksvolle und erfolgreiche Geschichte der Themenjahre zurück. Auch dieses Themenjahr ist trotz der mit der epidemiologischen Lage verbundenen Schwierigkeiten gelungen. Es wurde zu einem wichtigen Instrument, um die Aufmerksamkeit auf die deutsch-russischen Beziehungen im Wissenschaftsbereich zu lenken und das öffentliche Interesse am Ausbau der Zusammenarbeit und am Zusammenwirken zwischen den Vertreter*Innen von Hochschul- und wissenschaftlichen Gemeinschaften beider Länder zu stärken.

Ich möchte anmerken, dass sich der Programmkalender des Themenjahres nicht auf große Veranstaltungen in den Metropolen beschränkte. Im Rahmen des Programms wurde die Wissenschafts- und Hochschulkooperation auf regionaler Ebene intensiviert, was die engen Verbindungen zwischen den russischen Regionen und den deutschen Bundesländern anschaulich demonstriert. Obwohl ein Teil der Veranstaltungen online stattfand, verloren sie nicht die bedeutende Rolle bei der Verstärkung des bilateralen Dialogs.

Alle Veranstaltungen des Themenjahres wurden auf der zweisprachigen Informationsplattform, die von den Koordinatoren des Themenjahres – der Nationalen Universität für Forschung und Technologie MISIS (NUFT MISIS), dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und dem Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) in Moskau – geschaffen wurde, umfassend beleuchtet. Auf der Webseite des Themenjahres wurden Informationen über mehr als 100 Veranstaltungen veröffentlicht und wurde über 60 gemeinsame wissenschaftliche Forschungsprojekte eingehend berichtet. Für das Informationsportal wurden über 40 Interviews mit führenden Experten im Wissenschafts- und Hochschulbereich, die an der deutsch-russischen Zusammenarbeit beteiligt sind, erstellt. Indem es den intensiven Dialog der Wissenschaft und Hochschule beider Länder – Veranstaltungen, Projekte und persönliche Eindrücke von Vertretern der Hochschulen und akademischen Kreise – widerspiegelt, diente das Portal zur Unterstützung von Förderprogrammen für russische und deutsche Wissenschaftler, in erster Linie Nachwuchswissenschaftler.

Wir wissen alle, dass die moderne Wissenschaft international ist, sich nicht innerhalb der geographischen Grenzen abschottet und Wissenschaftler verschiedener Länder bei gemeinsamen Forschungen vereinigt. Ich denke, dazu hat das vergangene Themenjahr eine Menge beigetragen, indem es erlaubte, Studierenden und Doktorand*Innen sowie Forscher*Innen und Innovator*Innen aus Russland und Deutschland zusammenzuschließen. Es ist wichtig, diese Erfahrungen zu nutzen und die erzielten Ergebnisse in eine nachhaltige Entwicklung der partnerschaftlichen und engen Beziehungen zwischen unseren Ländern im Hochschul-, Wissenschafts- und Kulturbereich sowie in anderen Bereichen umzuwandeln.


Welche Veranstaltungen des Themenjahres zählen Ihrer Ansicht nach zu den bedeutendsten?

Gemeinsam mit den Koordinatoren des Themenjahres und unter der direkten Schirmherrschaft des Ministeriums für Wissenschaft und Hochschulbildung der Russischen Föderation wurde eine ganze Reihe großer Veranstaltungen abgehalten.

Eine der Hauptveranstaltungen auf dem Programm des Themenjahres war das Deutsch-Russische Hochschulforum, das am 2. und 3. Dezember 2019 in Moskau in der Nationalen Universität für Forschung und Technologie MISIS stattfand. Es nahmen etwa 300 Vertreter*Innen von mehr als 30 deutschen und 50 russischen Universitäten und Forschungseinrichtungen teil. Das Forum war eine Plattform für einen engen Dialog, die Erörterung entstehender Probleme und die gemeinsame Suche ihrer Lösung. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, solche Foren regelmäßig abzuhalten.

In diesem Jahr, am 10. April, wurde der offene Wettbewerb „Brücken für die deutsch-russische Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit“ ausgeschrieben, bei dem mehr als 120 Gemeinschaftsprojekte im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften sowie der technischen Wissenschaften präsentiert wurden. Russische und deutsche Expert*Innen wählten 25 Projekte aus. Die Gewinner*Innen wurden auf der feierlichen Abschlussveranstaltung des Themenjahres am 15. September ausgezeichnet.

Gegenwart und Zukunft der bilateralen Wissenschaftspartnerschaft erörterten die Teilnehmer*Innen der turnusmäßigen Sitzung der Gemischten Deutsch-Russischen Kommission zur Wissenschaftlich-Technologischen Zusammenarbeit, die am 25. Juni als Videokonferenz stattfand. Auf der Sitzung wurden die vorrangigen Säulen der  Deutsch-Russischen Roadmap für die Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation diskutiert. An der Erörterung der Implementierung der Roadmap nahmen mehr als 130 Experten teil, die einen Überblick über den Verlauf der praktischen Umsetzung dieses auf zehn Jahre angelegten strategischen Dokuments gaben.

Zuletzt darf die am 15. September im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Themenjahres abgehaltene Konferenz „Deutsch-Russischer Dialog in Wissenschaft und Bildung: Gemeinsam die Zukunft gestalten“, die den Perspektiven der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland gewidmet war, nicht unerwähnt bleiben. An dieser on- und offline abgehaltenen Veranstaltung nahmen mehr als 650 Personen teil. Während der Abschlussveranstaltung des Themenjahres fand eine virtuelle Kontaktmesse statt, bei der die Aussteller – deutsche und russische Universitäten und Hochschulen sowie Wissenschaftsorganisationen und -stiftungen – ihre gemeinsamen Programme präsentierten.


Was ist für die weitere Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland im Wissenschafts- und Hochschulbereich zu tun? Welche Rolle kommt dabei dem russischen Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung zu?

Deutschland ist einer der Schlüsselpartner Russlands im Wissenschaftsbereich. Beide Länder sind durch zwischenstaatliche und interministerielle Vereinbarungen miteinander verbunden, die auch den besonderen Charakter der wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland definieren.

Eine neue Entwicklungsetappe der bilateralen Zusammenarbeit ist die Unterzeichnung der erwähnten Roadmap durch das russische Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbindung und durch das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Dies ist ein komplexes Dokument, das auf die Erweiterung der bilateralen Zusammenarbeit in einem ganzen Spektrum von Themen, insbesondere in den Bereichen Entwicklung von Großforschungsinfrastrukturen, gemeinsame Forschungsprojekte in den von beiden Ländern priorisierten Bereichen der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit sowie Förderung des Wissenschaftlernachwuchses in beiden Ländern, abzielt.

Das russische Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbindung ist in allen genannten Säulen aktiv tätig. So wurde zusammen mit dem BMBF ein neuer Wettbewerb für Forschungsprojekte im Bereich Meeres- und Polarforschungen organisiert, der im Januar 2021 ausgeschrieben wird. Deutschland ist der Hauptpartner Russlands hinsichtlich der Anzahl der gemeinsamen Forschungsprojekte, die im Rahmen des Föderalen Zielprogramms „Forschung und Entwicklung in den vorrangigen Entwicklungsrichtungen des wissenschaftlich-technologischen Komplexes Russlands 2014–2020“ realisiert werden. Insgesamt wurden seit 2014 mehr als 80 Forschungsprojekte, an denen deutsche Wissenschaftler beteiligt sind, gefördert.

Im Rahmen der Säule der Roadmap „Nachwuchsförderung“ nimmt demnächst der Deutsch-Russische Koordinierungsrat für junge Wissenschaftler und Innovatoren, der von der Russischen Akademie der Wissenschaften und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ins Leben gerufen wurde, seine Tätigkeit auf.

Für die Umsetzung der Roadmap 2021–2028 startet das russische Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung zusammen mit den deutschen Kollegen den Aufbau eines neuen Fachportals – eine einheitliche Datenbank für Hochschulen, Universitäten, Forschungszentren und -institute sowie die Wissenschaft finanzierende Stiftungen.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass das Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft eine wichtige Entwicklungsetappe unserer Zusammenarbeit mit Deutschland darstellt und eine Erweiterung der Kontakte und neue Ideen brachte. Obwohl das Themenjahr zu Ende ist, sind die deutschen Kollegen und wir bestrebt, das im Themenjahr vorgelegte Tempo des Zusammenwirkens auf dem Weg zu einer künftigen Erweiterung der Zusammenarbeit im Bereich Forschung, innovativer Entwicklungen und Hochschulbildung zu halten.