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Polytech Treffen in Berlin – eine einzigartige Veranstaltung für russische Universitäten.

Andrey Rudskoy, Rektor der Polytechnischen Peter-der-Große-Universität St. Petersburg (SPbPU)

Polytech Treffen in Berlin – eine einzigartige Veranstaltung für russische Universitäten.

Das Deutsch-Russische Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018-2020 soll der Zusammenarbeit der Wissenschaftler beider Länder neue Impulse geben und das Zusammenwirken zwischen Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen transparenter machen. An welchen mit dem Themenjahr verbundenen Initiativen hat die SPbPU teilgenommen und welche Ergebnisse haben sie gebracht? Welche Praktiken haben sich als wirksamste erwiesen?

Die Polytechnische Peter-der-Große-Universität St. Petersburg ist immer offen für alle Kooperationsformen, die darauf abzielen, die wissenschaftlichen und interuniversitären Beziehungen zwischen Russland und Deutschland zu entwickeln und zu stärken. Die Polytech arbeitet sowohl im Bildungs- als auch im Forschungsbereich aktiv mit deutschen Kolleginnen und Kollegen zusammen.

Ich freue mich, dass es uns vor Beginn der Pandemie gelungen ist, im Rahmen des Themenjahres die für unsere Universität zentrale internationale Veranstaltung – das zweitägige Forum „Polytech Treffen in Berlin“ (6.–7. Februar 2020) – abzuhalten. Berlin wurde als Herz Deutschlands, Hauptstadt eines großen Landes und strategischen Partners Russlands, als Veranstaltungsort für dieses einzigartige Ereignis ausgewählt.

Das Programm des zweitägigen Forums umfasste die Ausstellung wissenschaftlicher Entwicklungen, Podiumsdiskussionen und Business-Tracks. Im Rahmen der Veranstaltung fand auch das Europäische Alumni-Forum der Polytechnischen Peter-der-Große-Universität St. Petersburg statt.

Das Polytech Treffen in Berlin ist in vieler Hinsicht eine einzigartige Veranstaltung, die vormals noch nie von einer russischen Universität durchgeführt wurde. Diese Veranstaltung hat ein grundsätzlich anderes Format. Sie unterscheidet sich stark von der traditionellen Praxis der Zusammenarbeit, von Delegationsbesuchen an Universitäten und bilateralen Verhandlungen. Wir boten unseren ausländischen Partnerinnen und Partnern die Gelegenheit zu einem multilateralen Treffen und Dialog zwischen zentralen Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Bildung und Wirtschaft. Nach der Präsentation der erfolgreichen Praktiken der internationalen Zusammenarbeit waren wir für eine konstruktive Diskussion verschiedener Aspekte der Partnerschaft und für die Suche nach gegenseitig vorteilhaften Lösungen bereit. Als Ergebnis gab es Dutzende produktive Verhandlungen und eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Entwicklung und Stärkung bestehender Beziehungen.

Mit Freude möchte ich darauf hinweisen, dass zu den Ehrengästen des Forums Polytech Treffen in Berlin der Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland, Sergei Nechaev, der Staatssekretär des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit des Landes Mecklenburg-Vorpommern Stefan Rudolf, der stellvertretender Leiter der Föderalagentur der Russischen Föderation für Angelegenheiten der GUS, für Fragen der im Ausland lebenden Mitbürger und für internationale humanitäre Zusammenarbeit Pavel Shevtsov, der Handelsvertreter der Russischen Föderation in Deutschland Andrei Sobolev, der Leiter des Kontaktbüros für kleine und mittlere Unternehmen des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft Jens Böhlmann, der Präsident des europäischen Verbandes der Handels- und Industriekammern EUROCHAMBRES Christoph Leitl und viele andere gehörten.

Das SPbPU-Forum in Berlin brachte mehr als 400 Teilnehmer zusammen – Alumni, Partner, Freunde der Polytech aus 20 Ländern. Die Veranstaltung eines derartigen Großereignisses beeinflusste wesentlich die Popularisierung der russischen Hochschulbildung. Der inhaltliche Teil des Geschäftsprogramms der Veranstaltung ermöglichte es, den Partnern die Perspektiven für die Umsetzung wissenschaftlicher und innovativer Projekte zu zeigen und festzustellen und die Möglichkeiten für bilaterale Investitionen zwischen Russland und Deutschland zu schaffen. Das Forum hat viele Projekte ins Leben gerufen, an denen noch heute aktiv zusammengearbeitet wird.

Das Forum war dem 120. Jahrestag der SPbPU gewidmet, und ich hoffe, dass die polytechnischen Hochschulen und Partner in fünf Jahren zum 125. Jahrestag der Universität wieder in Berlin zusammenkommen.

Ich möchte auch anmerken, dass unter der Schirmherrschaft des Deutsch-Russischen Jahres der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018-2020 für die Polytech sehr bedeutsame Veranstaltungen mit strategischen Partnern stattfanden: Strategisches Partnerschaftsforum mit der Technischen Universität Berlin und der 35. Jahrestag der Zusammenarbeit mit der Leibniz-Universität Hannover sowie eine Reihe von Veranstaltungen im Rahmen der Deutschen Woche, an der die Polytech jährlich zusammen mit den Partnern teilnimmt.


Die epidemiologische Situation hat die Tätigkeit der Hochschulen und insbesondere die akademische Mobilität stark verändert. Ist es dennoch gelungen, zumindest einen Teil der Programme zur akademischen Mobilität mit deutschen Hochschulen im Rahmen des Deutsch-Russischen Jahres der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018-2020 zu realisieren? Was kommt als nächstes in dieser Richtung?

Ich möchte darauf hinweisen, dass wir trotz der Pandemie und keiner Möglichkeit zur Organisation von gegenseitigen Besuchen mit unseren deutschen Partnern in Kontakt bleiben und weiter aktiv zusammenarbeiten. Zudem setzen wir weiterhin akademische Mobilitätsprogramme um. Wir haben Kontakt zu russischen Studierenden, die jetzt in Deutschland ihr Studium machen, und wir sind unseren Partnern sehr dankbar für die Unterstützung, die sie unseren Studentinnen und Studenten bieten. Die Polytech wiederum traf eine Reihe von Maßnahmen zur Unterstützung ausländischer Studierender, auch aus Deutschland, durch. Für Studierende wurde ein Fernunterricht organisiert. Für den Unterricht verwenden wir das Microsoft-Teams-System, so dass alle Studierenden ihr Studium fortsetzen können, auch wenn sie nicht in Russland sind. Jetzt veranstalten wir eine internationale polytechnische Sommerschule – zum ersten Mal im Online-Format. Dennoch nehmen mehr als 300 Studenten aus aller Welt daran teil, darunter auch junge Menschen aus Deutschland.

Die Mobilität mit Universitäten ist sehr hoch, so wurden im vergangenen Jahr mehr als 200 Studierende aus Deutschland an der Polytech im Rahmen von akademischen Austauschprogrammen aufgenommen und mehr als 70 SPbPU-Studierende nahmen an kurzfristigen Bildungsprogrammen verschiedener deutscher Universitäten teil. Ein aktiver Austausch findet auch im Rahmen des Programms Erasmus+ statt. Teilweise wurden die Ergebnisse der Ausschreibung für Neuanträge schon veröffentlicht und es ist bereits bekannt, dass in den Anträgen zur Umsetzung der Mobilität bei der Technischen Universität Berlin, Technischen Universität Darmstadt, Universität Ulm positiv entschieden wurde. Wir warten noch immer auf die Ergebnisse für den Rest der Anträge. Aufgrund der epidemiologischen Situation in der Welt werden alle Mobilitäten höchstwahrscheinlich auf das nächste Jahr verschoben, obwohl wir versuchen, sie teilweise online zu realisieren. Ich möchte anmerken, dass interkulturelle Kommunikation auch auf Distanz eine der Möglichkeiten ist, Studierende während der Pandemie über geschlossene Grenzen zu vereinen.

Die Pandemie hat die Entwicklung der Internationalisierung nicht angehalten, sondern ganz im Gegenteil Anregungen für die Entwicklung neuer Formen der Zusammenarbeit und alternativer Lösungen für produktive gemeinsame Arbeit gegeben. So haben wir beispielsweise unsere Zusammenarbeit mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen gestärkt und Schritte zur Umsetzung gemeinsamer Projekte eingeleitet. Während der Pandemie veranstalteten wir eine Videokonferenz, auf der wir die Entwicklungs- und Projektbereiche präsentierten und Pläne für die Entwicklung der Zusammenarbeit diskutierten. Im Juni fand schon ein gemeinsamer Workshop für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler zum Schwerpunkt „Smart robotics in Production“ statt.


Mit welchen Hochschulen Deutschlands arbeitet Ihre Universität zusammen? In welchen Bereichen und Projekten? Welche Ergebnisse würden Sie besonders hervorheben?

Die Zusammenarbeit zwischen der Polytechnischen Peter-der-Große-Universität St. Petersburg und Deutschland begann noch in den 1950er Jahren. Und derzeit haben wir Partnerschaften mit mehr als 50 Forschungs- und Bildungsorganisationen in Deutschland aufgebaut. Die Leibniz-Universität Hannover, die Technische Universität Berlin und die Universität Stuttgart wurden zu strategischen Partnern der Polytech. Wir freuten uns, unsere Partner – Leiter der deutschen Hochschulen – zum 120. Jahrestag unserer Universität im Februar 2019 und natürlich auf der zentralen internationalen Veranstaltung 2020 Polytech Treffen in Berlin begrüßen zu können.

Unter den wichtigsten Partnern kann ich die Technische Universität München, die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, die Technische Universität Darmstadt, die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg, die Technische Universität Hamburg usw. nennen. Besondere Aufmerksamkeit schenken wir der Kooperation mit Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Deutschland, die einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung internationaler Bildungsprogramme und zur Suche nach neuen internationalen Projekten leisten.

Ich möchte auf die Zusammenarbeit mit unserem langjährigen Partner – der Leibniz-Universität Hannover – näher eingehen. Dies ist eine bedeutende Universität für mich persönlich und für die ganze Polytech. Im Jahr 2019 haben wir 35 Jahre strategischer Partnerschaft gefeiert. Es scheint aber, dass ich noch vor kurzem meinen Forschungsaufenthalt bei der Vorbereitung der Dissertation an dieser hervorragenden Universität hatte, deutsche Forschungsansätze studiert und die Erfahrungen der zentralen europäischen Praktiken übernommen habe!

Heute arbeiten 14 wissenschaftliche Gruppen unserer beiden Universitäten zusammen. Die Bereiche sind vielfältig: neue Materialien, Informationstechnologien, Life Science und viele andere. Während dieser Zeit wurden Dutzende von Artikeln veröffentlicht, gemeinsame Konferenzen abgehalten und nahmen Hunderte von Studierenden und Hochschullehrerinnen und -lehrer an Austauschprogrammen teil. Seit vielen Jahren arbeiten wir an einem gemeinsamen Projekt im Rahmen des Programms des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) „Strategische Partnerschaft“. Dieses Projekt ist ein direkter Beweis für die internationale wissenschaftliche Kommunikation auf höchstem Niveau und wurde mehrfach als eines der besten Beispiele für die universitäre Zusammenarbeit in der europäischen Praxis anerkannt.

Die SPbPU und die Technische Universität Berlin unterhalten seit vielen Jahren Kooperationsbeziehungen. Im Rahmen der strategischen Zusammenarbeit wurden 8 gemeinsame Bereiche gebildet: Mechanik, Informationstechnologien, Raumfahrttechnologien und viele andere. Es werden gemeinsame Bildungsprogramme von SPbPU und TU Berlin, akademischer Austausch, gemeinsame Ausbildungsprogramme für Magister und Doktoranden durchgeführt. Die Anzahl gemeinsamer Veröffentlichungen nimmt dementsprechend zu.

Mit der Technischen Universität Hamburg realisieren wir ein großes gemeinsames Biotechnologieprojekt und entwickeln aktiv den Bereich Life Science. Ein weiteres markantes Beispiel ist die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg. Gemeinsam haben wir am Standort der Polytech das Labor für leichte Materialien und Konstruktionen eingerichtet. Im Rahmen des Labors wird ein gemeinsames Master- und Doktoratsstudium angeboten. Darüber hinaus wird ein gemeinsames Förderungsstipendium für ein Forschungsprojekt im Bereich der Erforschung neuer Materialien gewährt.

Darüber hinaus setzen wir zusammen mit unseren Partneruniversitäten aus Deutschland mehr als 10 gemeinsame Bildungsprogramme im Rahmen von Bachelor- und Masterstudiengängen in folgenden Bereichen um: Informatik und Computertechnik, Intelligente Steuerungssysteme, Mechatronik, Elektrotechnik und Elektroenergetik, Energietechnologien, Forschung zu Eigenschaften und Struktur von Materialien, Management von Konstruktions- und Technologieinnovationen, Internationales Geschäft usw.

Und natürlich möchte ich auch unsere langfristige Zusammenarbeit mit öffentlichen und staatlichen Organisationen Deutschlands (DAAD, DFG, DWIH) erwähnen. Ich kann sagen, dass die Kooperation unserer Polytechnischen Universität mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD der gesamten Zusammenarbeit mit Deutschland zugrunde liegt. Ein erheblicher Teil der Studentenmobilität mit deutschen Partnern wird durch DAAD-Programme gefördert: Dutzende von SPbPU-Studierenden erhalten jedes Jahr Stipendien. Als markante Beispiele für diese Zusammenarbeit dienen die gemeinsames Projekt unserer Universität mit der Leibniz-Universität in Hannover im Rahmen des DAAD-Programms „Strategische Partnerschaft“ (2013–2018) und die Teilnahme am DAAD-Programm „Östliche Partnerschaften“ zusammen mit der Technischen Universität Berlin und der Universität Stuttgart.

Ich möchte gerne darauf hinweisen, dass die Polytech seit 2015 an den Veranstaltungen der Deutschen Woche in St. Petersburg aktiv teilnimmt und zusammen mit dem DAAD-Informationszentrum in St. Petersburg, dem Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH), der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG), dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der NRW.INVEST, der Agentur für wirtschaftliche Entwicklung NRW, und Partneruniversitäten in Deutschland interessante Projekte und hervorragende Veranstaltungen organisiert.

Die Polytech hat eine aktive Kooperation mit deutschen Unternehmen. Selbst unter den Bedingungen der Pandemie arbeiten die Polytechnische Peter-der-Große-Universität St. Petersburg und eines der weltweit größten Hightech-Unternehmen SIEMENS in einer Vielzahl von Bereichen weiter zusammen: von Forschungsprojekten und Entwicklung innovativer Lösungen für russische und ausländische Unternehmen bis hin zu Programmen zur Förderung junger Wissenschaftler und Studierender. Im November 2019 wurde an unserer Universität das Internationale Wissenschafts- und Bildungszentrum „Polytech-Siemens“ gegründet. Im Jahr 2020 haben wir eine Rahmenvereinbarung über Forschung und Entwicklung unterzeichnet und ein neues Projekt zum Testen eingebauter Geräte zur Diagnose intelligenter Zähler gestartet. Und der Leiter der Abteilung Corporate Technology von SIEMENS in Russland, Martin Gitzels, ist ein alter Freund unserer Universität.

Ich glaube, dass die vor dem Hintergrund der globalen Pandemie entstehenden wirtschaftlichen Veränderungen schwerwiegende Auswirkungen sowohl auf den Bildungsbereich als auch auf die Hightech- Industrie haben. Unter diesen Bedingungen gewinnt gerade die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Industriepartnern eine besondere Bedeutung, da diese auf die Entwicklung von Lösungen abzielt, die es ermöglichen, sich neuen Herausforderungen gemeinsam zu stellen.