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Partnerschaft auf Augenhöhe

Dr. Ludwig Stroink, Leiter Internationales Büro; Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Partnerschaft auf Augenhöhe

Welche Erfahrungen haben Sie mit der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit?

Russland ist seit vielen Jahren ein geschätzter Forschungspartner des Helmholtz Zentrums Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ. Das liegt nicht nur an der geologischen Vielfalt des Landes und den enormen Rohstoffvorkommen, sondern auch an seiner breit aufgestellten Wissenschaftslandschaft. Dementsprechend vielfältig sind unsere gemeinsamen Forschungsaktivitäten. Sie reichen von der Satelliten- über die Rohstoff- bis hin zur Klimaforschung. Ich selbst kam Mitte der 1990er-Jahre, als junger Wissenschaftler der RWTH-Aachen, erstmals nach Russland, um an Expeditionen in das südliche Uralgebirge teilzunehmen. Aus diesem frühen Aufenthalt resultiert meine Begeisterung für das Land und seine Menschen, die bis heute lebendig ist. Jenseits emotionaler Beweggründe sind es aber die harten Fakten, die unsere Kooperation mit den russischen Partnern antreiben: In erster Linie hervorragende Wissenschaftler*innen und eine vielfach exzellente Forschungsinfrastruktur.


Welche sichtbaren Ergebnisse sind aus der Zusammenarbeit des Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ mit russischen Partnereinrichtungen inzwischen entstanden und welche Ziele werden verfolgt?

Woher kommt das Magma der Vulkane auf Kamtschatka und welchen Einfluss haben die Methanhydrate Sibiriens auf unsere Energieversorgung und das Klima? Das sind nur zwei von vielen Fragen, denen unsere Wissenschaftler*innen mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus Novosibirsk, Moskau oder St. Petersburg nachgehen und in gemeinsamen Publikationen vorstellen. Mit der Vernadsky-Stiftung, einer Nicht-Regierungs-Organisation in Moskau, führen wir seit 2016 regelmäßige Deutsch-Russische Sommerschulen durch, an denen bis zu 25 junge Wissenschaftler*innen aus beiden Ländern teilnehmen. Nach Sotchi (2016) und Mecklenburg-Vorpommern (2018) findet die diesjährige Sommerschule im August im Altai-Gebirge statt. Derzeit bereiten wir mit  Moskau und Novosibirsk ein ca. 1-wöchiges Programm vor, das sicherlich auch dieses Mal die jungen Kolleginnen und Kollegen  begeistern wird. Eine besondere Art der Bestandsaufnahme unserer Kooperationen haben wir im November 2017 in der Deutschen Botschaft in Moskau präsentiert. Über 2 Tage und in unterschiedlichen Foren diskutierten wir mit Politiker*innen und Wissenschaftler*innen beider Länder die Perspektiven der Zusammenarbeit in der Erdsystem- und Energieforschung. Bis heute „schöpfen“ wir aus dieser überaus erfolgreichen Veranstaltung.   


Worin sehen Sie die besondere Bedeutung der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit?

Wissenschaft kann in Zeiten politischer Spannungen Brücken bauen. Das galt nicht nur für die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der ehemaligen Sowjetunion. Auch nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ haben sich die Beziehungen unserer Länder aktuell wieder eingetrübt. Die politische Sprachlosigkeit mit Mitteln der „Wissenschaftsdiplomatie“ zu überwinden, darin liegt m.E. die große Bedeutung der Deutsch-Russischen Forschungskooperation. Langfristig besonders bedeutend ist die von beiden Seiten aktiv unterstützte Nachwuchsförderung. Beispiele sind die Programme des DAAD, die von BMBF und MON aufgelegte „Deutsch-Russische Roadmap zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit“ oder die seit vielen Jahren angebotenen Förderprogramme der Helmholtz-Gemeinschaft und ihrer russischen Partner, wie der „Russian Science Foundation“. Solche und ähnliche Programme sind es, die den Boden bereiten für langfristig tragfähige und vertrauensvolle Beziehungen unserer beiden Länder.  


Welchen Schwerpunkt wollen Sie im dt.-russ. Themenjahr unter der Schirmherrschaft beider Außenminister für die deutsch-russische Wissenschaftszusammenarbeit setzen? Wie ist Ihr Ausblick in die Zukunft?

Russland ist im September 2019 dem Pariser Klimaabkommen beigetreten; ein wichtiges Signal, dass der Klimawandel auch in Russland als Tatsache angesehen und ernst genommen wird. In diesem Zusammenhang war für mich das Treffen des Deutsch-Russischen Rohstoff-Forums aufschlussreich, das im November 2019 in St. Petersburg stattfand. Erstmalig stand auch die „Klima und Nachhaltigkeitsforschung“ auf der Agenda dieser hochrangig besetzten Veranstaltung (https://www.rohstoff-forum.org/conference/12-deutsch-russische-rohstoff-konferenz/). In seiner „Keynote“ benannte der 1. Stellvertretende Minister für Wissenschaft und Hochschulbildung, Grigoriy Trubnikov, die schon heute sichtbaren Folgen des Klimawandels, wobei er u.a. auf die auftauenden Permafrostböden in Sibirien verwies. Bei der Erforschung des Klimawandels wünsche er sich Deutschland als wichtigen Partner an der Seite Russlands. Diesem Wunsch, mit einschlägigen Programmen und Formaten Rechnung zu tragen, wäre aus meiner Sicht ein wichtiges Signal, das wir in diesem Themenjahr setzen könnten. Die weltweit beachtete MOSAIC-Expedition der Helmholtz-Gemeinschaft, die ohne russische Beteiligung nicht denkbar wäre, ist dazu ein exzellenter Start. 


Welche Empfehlungen geben Sie, auf Basis Ihrer Erfahrungen, anderen Akteuren mit auf den Weg?

Internationale Projekte – ob bi- oder multilateral – brauchen in der Regel einen langen Atem. Um den Einstieg in die Kooperation zu erleichtern haben wir am GFZ einen „Anbahnungsfonds“ geschaffen. Mit ihm wollen wir unsere Wissenschaftler*innen in die Lage versetzen, schnell und unbürokratisch ausländische Kolleginnen an das GFZ einzuladen. In der Regel reichen schon 2-3 Monate, um sich kennenzulernen und konkrete Maßnahmen für die gemeinsame Kooperation einzuleiten. Aktuell hält sich im Rahmen dieses Programms auch eine junge russische Wissenschaftlerin des „Skolkovo Institute of Science and Technology – Skoltech“ am GFZ auf. Ziel ihres Besuches ist es, gemeinsam mit der GFZ-Kollegin konkrete Forschungsthemen zu diskutieren, die Grundlagen für einen gemeinsamen Forschungsantrag schaffen und dabei erste gemeinsame Laborarbeiten durchzuführen. 


Dr. Ludwig Stroink
Helmholtz-Centre Potsdam GFZ German Research Centre for Geosciences
Head International Affairs 
Phone: +49(0) - 331 - 288-1070
e-mail: stroink@gfz-potsdam.de