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Für die Mittler*innen von morgen… Sprachen verbinden

Interview mit Dr. Brigitte Dreßler, Stellvertretende Leiterin der Zentraleinrichtung Fremdsprachen Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Koordinatorin der Strategischen Hochschulpartnerschaft der HTW Berlin mit der Staatlichen Kuban-Universität Krasnodar Leiterin Testzentrum TRKI an der HTW Berlin

Für die Mittler*innen von morgen… Sprachen verbinden

Wer sind die Partner und was waren die Gründe, diese Partnerschaft zu bilden?

Die Suche nach einem international anerkannten Sprachenzertifikat für die russische Sprache führte mich an die Philologische Fakultät meiner ehemaligen Alma-Mater, an die Staatliche Kuban-Universität Krasnodar. Während eines Besuchs im Jahre 1999 erfuhr ich, dass meine russischen Kolleginnen des Lehrstuhls Russisch als Fremdsprache buchstäblich am Vortag für die Abnahme einer solchen Prüfung, des TRKI (Тест по русскому языку как иностранному) die Akkreditierung erfolgreich durchlaufen hatten. Meine Idee, diesen Test an meiner Berliner Hochschule, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin durchzuführen, fiel auf fruchtbaren Boden. Es ging alles traumhaft schnell: In Rücksprache mit den Hochschulleitungen, den Juristen beider Bildungseinrichtungen, dem Hauptprüfungsamt TRKI (Moskau) u.a. Funktionsträgern war binnen eines halben Jahres die Vereinbarung über die Durchführung der Zertifikatsprüfungen in Berlin ausgehandelt und unterzeichnet worden, so dass der erste Test in Berlin - im Europäischen Sprachenjahr 2001 -abgenommen werden konnte. Dieses Testzentrum TRKI bildet den Grundstein unserer mittlerweile 20 Jahre währenden Partnerschaft und bringt anschaulich unser Motto: „Sprachen verbinden“ zum Ausdruck.


Welche sichtbaren Ergebnisse sind aus dieser Kooperation/diesem Projekt inzwischen entstanden und welche Ziele wollen Sie erreichen?

Ab dem fünfzehnten Jahr unserer aktiv gelebten Partnerschaft nahm das Zählen der Involvierten mehr Zeit in Anspruch als das Vorbereiten und Durchführen unserer vielfältigen Projekte. Es sind seitens der HTW Berlin 11 Studiengänge in die Partnerschaft involviert, vertreten sowohl durch Professoren und Professorinnen, die jährlich mit Vortragsreihen an die jeweilige Partneruniversität reisen, als auch durch Austauschstudierende, Absolventen und Absolventinnen von Studienpraktika (ca. 50), Teilnehmer und Teilnehmerinnen an AWE-Modulen mit obligatorisch eingebundener, landeskundlicher Exkursion zu Studienzwecken zu jährlich wechselnden Themen (ca. 250). Dabei sind die Kandidaten und Kandidatinnen des jährlich einmal in Berlin stattfindenden Tests TRKI (ca. 320) nicht zu vergessen.
Ein ganz besonderes Projekt möchte ich würdigen: die Vereinbarung über die Vergabe eines Doppeldiplomabschusses auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften (2004) sowie deren Aktualisierung zur Vergabe eines Bachelorabschlusses (2017). Diese Vereinbarung beruht auf der gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen, wobei die an der jeweiligen Partneruniversität nicht im Curriculum vorhandenen Studienfächer im Verlaufe zweier Semester vor Ort zu absolvieren sind. Die Diplom-/Bachelorabschlussarbeit verfasst der Kandidat/die Kandidatin unter Leitung eines Professors/einer Professorin an der jeweiligen Gasthochschule, absolviert dort das Kolloquium, um im Ergebnis die Diplome/den Bachelorgrad beider Einrichtungen verliehen zu bekommen. Innerhalb von 14 Jahren schlossen 14 Studierende unserer Hochschulen erfolgreich das Studium im Rahmen dieser Double Degree Vereinbarung ab.

Das Ziel unserer Zusammenarbeit sehen wir nach wie vor in der Initiierung fachlich interessanter und anspruchsvoller Projekte, um unsere Studierenden, die die deutsch-russischen Beziehungen von morgen gestalten werden (und müssen) zu erreichen, sie zu motivieren, sich am Austausch zu beteiligen, Russisch bzw. Deutsch zu lernen und somit auf die spannenden Aufgaben fachlich, sprachlich und interkulturell vorbereitet zu sein.


Worin sehen Sie die besondere Bedeutung Ihrer Partnerschaft/Ihres Projektes?

Die Besonderheit der mittlerweile als strategisch anerkannten Partnerschaft sehe ich vor allem in ihrer Vielseitigkeit; ihrer Langlebigkeit; ihrer Ausgewogenheit in der Beteiligung Deutscher und Russen, Studierender und Lehrender, von Hochschulleitungsmitgliedern sowie Angestellten; in ihrer Fähigkeit, ständig neue Visionen zu entwickeln und sich kontinuierlich durch neue Projekte auszuzeichnen. All das ist nur auf einer soliden und zuverlässigen Vertrauensbasis möglich, auf der Überzeugung, dass die Partnereinrichtung qualitätsvolle Lehre und innovative Projekte bietet und realisiert.

Ein weiterer Gradmesser der hohen Wertschätzung, die die Kooperation zwischen der HTW Berlin und der Kuban-Universität genießt, ist die Tatsache, dass dem ehemaligen Rektor der Kuban-Universität, Herrn Prof. Babeshko, Mitglied der Akademie der Wissenschaften der Russischen Föderation, sowie dem derzeit fungierenden Rektor, Herrn Dr. Astapov, die Würde des Ehrensenators des Akademischen Senats der HTW Berlin verliehen wurde. Prof. Dr. Keßler, geschätzt für seine langjährige aktive Mitwirkung bei der Vertiefung der Kooperation, vor allem bei der Ausarbeitung der Doppelabschlussvereinbarungen, trägt seinerseits die Würde des Ehrenprofessors der Kuban-Universität.

Das diesjährige Projekt, das gemeinsame Allgemeinwissenschaftliche Ergänzungsmodul zur „Digitalisierung der Wirtschaft in Deutschland und Russland“, setzt die Arbeit fort. Bisher ist es gelungen, in jedem Jahr ein brandneues Thema durch die studentischen Arbeiten und Präsentationen zu beleuchten.


Welchen Schwerpunkt wollen Sie im dt.-russ. Themenjahr unter der Schirmherrschaft beider Außenminister für Ihre Kooperation setzen? Welche Empfehlungen geben Sie, auf Basis Ihrer Erfahrungen, anderen Projekten mit auf den Weg?

Als Motto und gleichzeitig Empfehlung für diejenigen, die durch die Ergebnisse unserer Kooperation beeindruckt wurden, ist, bei der Wahl eines Partners gründlich zu prüfen, ob Vertrauen und Zuverlässigkeit, gegenseitiges Interesse und Bereitschaft, ggfs. auch Kompromisslösungen anzunehmen, interkulturelle Kompetenz und Verständnis, gerade in schwierigen Zeiten, vorhanden sind. Viel Geduld ist aufzubringen, und das weniger in der Kommunikation mit den russischen Partnern, als im eigenen Haus, wo es gilt, Unsicherheiten, Vorurteile und Bedenken unter den eigenen Hochschulmitgliedern, die über keinerlei persönliche Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit russischen Partnern verfügen, auszuräumen. Unseren Außenministern möge es gelingen, dank ihres diplomatischen Geschickes politische Turbulenzen nicht nur auszuräumen, sondern durch Umsichtigkeit und Verständnis gar nicht erst aufkommen zu lassen.

„Sprachen verbinden“: Um den Kreis zu schließen, gilt es nach wie vor alles dafür zu tun, die Vermittlung von Russischkenntnissen an deutschen Hochschulen sowie von Deutschkenntnissen an russischen Hochschulen zu fördern. Dafür sind finanzielle und kapazitäre Voraussetzungen erforderlich, jedoch auch Motivation, die durch gemeinsame Projekte, wie sie im Themenjahr vorgestellt werden, gefördert wird.

Unabdingbar für die Entwicklung einer Partnerschaft ist die rechtzeitige finanzielle Absicherung. In unserem Falle finden wir in erster Linie finanzielle Unterstützung durch das Ostpartnerschaftsprogramm des DAAD, welches uns – und dafür sind beide Hochschulen außerordentlich dankbar - Planungssicherheit für die Fortsetzung unserer Aktivitäten gewährt.


Dr. Brigitte Dreßler
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Zentraleinrichtung Fremdsprachen
Postanschrift: Treskowallee 8, 10313 Berlin
Tel.: 030 - 5019 2986
Fax: 030 - 5019 2927