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NUR GEMEINSAM SCHAFFEN WIR ES

Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Glauben Direktor des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)

NUR GEMEINSAM SCHAFFEN WIR ES

Welche Erfahrungen haben Sie mit der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit?

Die Russische Föderation und ihre Hochschul- und Forschungseinrichtungen spielen in unserer Forschungsagenda eine zentrale Rolle. Dies geschieht nicht zuletzt aufgrund der geoökonomischen und agrarischen Bedeutung des Landes. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert erforschen wir nunmehr die soziökonomischen und ökologischen Entwicklungen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft und den ländlichen Gebieten des postsowjetischen Raums, und seit gut einem Jahrzehnt auch in China.  

Russland ist einer der weltweit bedeutendsten Akteure auf den internationalen Märkten für agrarische Rohstoffe und Lebensmittel und trägt damit maßgeblich zur Bewältigung globaler Herausforderungen des 21 Jahrhunderts bei, wie etwa die globale Nahrungsmittelsicherheit, der Umgang mit dem Klimawandel oder auch der Umsetzung innovativer digitaler Technologien. Gleichzeitig ist Russland ein wichtiger (Agrar-)Wirtschaftspartner Deutschlands und insbesondere seiner Nachbarregionen, der Länder Zentralasiens, des Südkaukasus oder auch China.   

Große Vielfalt in der Forschung

In diesem Kontext sind unsere deutsch-russischen Partnerschaften von einer großen Vielfalt im Bereich  der Forschung als auch der Qualifikation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geprägt. Konkret bestanden bzw. bestehen zahlreiche Kooperationen in verschiedenen Verbundprojekten mit Bezug auf die Regionen des östlichen Europas oder Zentralasiens, wie z.B. mit der National Research University Higher School of Economics in Moskau (HSE),  All-Russian Nikonov-Institute of Agrarian Problems and Informatics (VIAPI), der North-Western Research Institute of Economy and Organization of Agriculture (NWIAE), der Altai State Agricultural University (ASAU) oder der DHI Moskau – Deutsches Historisches Institut Moskau und neuerdings mit der Ural State University of Economics. 


Welche sichtbaren Ergebnisse sind aus der Zusammenarbeit  mit russischen Partnereinrichtungen inzwischen entstanden?

Fünf Resultate können herausgestellt werden:

  1. Es konnten zahlreiche Forschungsthemen und -projekte bearbeitet haben, die sich nicht nur in  wissenschaftlichen Schriften wiederspiegeln, sondern auch von praktischem Nutzen für den deutschen, den russischen und auch den globalen Nahrungsmittelsektor sind. 
  2. Es hat sich eine rege Teilnahme von Forscherinnen und Forschern an unseren institutseigenen Weiterbildungs- und Gästeprogrammen etabliert. 
  3. Ein Mitglied unseres Instituts, Prof. Ulrich Koester, ist beratend am Aufbau des von Prof. Evgenia Serova jüngst gegründeten Institut for Agrarian Studies an der National University Higher School of Economics in Moskau beteiligt. In diesem Rahmen wurde auch Koesters Lehrbuch ins Russische übersetzt. 
  4. Gemeinsame Ausrichtung von Konferenzen, Workshops und Seminaren. So ist die Higher School of Economics Moskau Partner in der Ausrichtung unserer internationalen Jahreskonferenz im Juni dieses Jahres, die sich mit Digitalisierungsprozessen in der Nahrungsmittelwirtschaft in Eurasien beschäftigen wird. 
  5. Die Leibniz Gemeinschaft war maßgeblich beteiligt an der Etablierung der Deutsch-Russischen Roadmap für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation. 


Worin sehen Sie die besondere Bedeutung der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit und welche Ziele verfolgen Sie?

Nur gemeinsam schaffen wir es! Angesichts der oben genannten globalen und regionalen Bedeutung Russlands etwa für die nachhaltige Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln und damit der Bekämpfung von Hunger und Fehlernährung, ist das klare Anliegen die Zusammenarbeit in der Forschung noch stärker auszubauen. Es besteht hier, nach meiner Einschätzung, ein enormer zusätzlicher Bedarf für agrar- und ernährungsökonomische Forschungs- und Transferaktivitäten. 

Stellenwert der agrarökonomischen Forschung 

Allerdings bedarf es dafür weit mehr Unterstützung, sowohl auf deutscher als auch auf russischer Seite, durch angemessene und nachhaltige Programme von seiten der Forschungsförderer. Ich sehe, dass diese sicherlich schon sehr gut ausgelegt sind im Hochtechnologiebereich. Auch die jüngst aufgelegte Deutsch-Russische Roadmap ist sicherlich zu begrüßen. Allerdings sind die Angebote im Bereich der so nötigen agrarökonomischen Forschung ausgesprochen bescheiden bis nahezu nicht vorhanden. Hier kann ich nur einen ganz dringenden Appell an die Verantwortlichen aussprechen.


Welchen Schwerpunkt wollen Sie im dt.-russ. Themenjahr unter der Schirmherrschaft beider Außenminister für die deutsch-russische Wissenschaftszusammenarbeit setzen? Wie ist Ihr Ausblick in die Zukunft?

Das Zauberwort heißt Innovation. Es ist unverkennbar, dass die digitalen Innovationen und die Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz unsere Gesellschaft und das globale Wirtschaftsgeschehen in Höchstgeschwindigkeit verändern werden. Hiervon wird allen Prognosen nach die Nahrungsökonomie in besonderer Weise betroffen sein. 

Insbesondere Deutschland und Russland profitieren

Von einer Zusammenarbeit und einem intensiven Dialog werden gerade Deutschland und Russland auf diesem Gebiet sehr profitieren. Nach meiner Einschätzung können sie dadurch eine Vorreiterrolle einnehmen. Hier stehe ich insbesondere mit Prof. Evgenia Serova und Prof. Andrei Yakovlev von der Higher School of Economics in enger Verbindung. Unser Anliegen ist es eine langfristig koordinierte Zusammenarbeit im Bereich Innovationen in der Eurasischen Nahrungsmittelökonomie aufzustellen. Konzeptionell sind wir bereits auf gutem Weg. Nun suchen wir die finanzielle Förderung. 


Welche Empfehlungen geben Sie, auf Basis Ihrer Erfahrungen, anderen Akteuren mit auf den Weg?

Wir haben, wie viele andere Leibniz-Institute, generell die Erfahrung gemacht, dass es ausgesprochen nützlich ist, junge Forscherinnen und Forscher aus den Betrachtungsregionen in unserer Aktivitäten einzubinden und in unserem Institut zu beschäftigen. Dies zahlt sich sehr aus. Ansonsten, ist es schon von Vorteil die Landessprache zu beherrschen. Ich kann bedauerlicherweise kein Russisch; hoffe aber, dass unsere sechsjährige, russischsprachige Tochter Vera es mir beibringen wird… 


Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Glauben
Director, Leibniz Institute of Agricultural Development in Transition Economies (IAMO)
Professor, University of Halle
Member, REAP Center at Stanford University (USA)
Board of Directors, Leibniz ScienceCampus Eastern Europe – Global Area (EEGA)
phone +49(0)345-2928200/210
e-mail  glauben@iamo.de