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Nachhaltige Partnerschaften durch kontinuierlichen Dialog

Prof. Dr. Volker Epping, Präsident der Leibniz Universität Hannover

Nachhaltige Partnerschaften durch kontinuierlichen Dialog

Welche Erfahrungen haben Sie mit der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit?

Als Präsident der Leibniz Universität Hannover konnte ich viele positive Erfahrungen sammeln. Unsere Universität ist stolz auf die deutsch-russische Zusammenarbeit, die sich durch traditionsreiche und starke Kooperationen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Russland auszeichnet. Gottfried Wilhelm Leibniz, der Namenspatron unserer Universität, sah Russland als Bindeglied zwischen Europa und China. Durch seine Bekanntschaft mit dem Zaren Peter I., dem Großen, setzte sich Leibniz für die Förderung und Verbreitung der Wissenschaften in Russland ein. Leibniz Ideen leben wir heute - 300 Jahre später - vor allem in unserer strategischen Partnerschaft mit der Peter der Große Polytechnischen Universität St. Petersburg (SPbPU) sowie zahlreichen weiteren Kooperationen in St. Petersburg, Moskau, Novosibirsk, Samara und an anderen Standorten. Im Mittelpunkt stehen dabei der Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse, die Profilschärfung in Forschung und Lehre, die Vernetzung sowie die verbesserte internationale Sichtbarkeit.


Welche sichtbaren Ergebnisse sind aus der Zusammenarbeit der Leibniz Universität Hannover mit russischen Partnereinrichtungen inzwischen entstanden und welche Ziele werden verfolgt?

In erster Linie sind das zahlreiche gemeinsame Publikationen in international anerkannten Fachzeitschriften und Journalen sowie die Präsentation von Forschungsergebnissen auf internationalen Kongressen und Tagungen. Hinzu kommen die erfolgreich durchgeführte Mega-Grant und DFG-geförderte Projekte in St. Petersburg, Moskau, Krasnoyarsk zur Erforschung von Nanoverbundwerkstoffen, Laser- und Nano-Engineering, additiven Fertigungsverfahren und Permafrostböden. 

Im Bereich der akademischen Zusammenarbeit sind bereits zwei internationale Masterprogramme mit Doppelabschluss in Mechatronik/Intelligenten Systemen und Wirtschaft sowie ein trilaterales Masterprogramm in Energietechnik mit der SPbPU etabliert. Die Lehre in diesen Programmen findet auf Englisch statt und ist somit für internationale Studierende aus der ganzen Welt attraktiv. Langfristige Ziele sind die Entwicklung solcher Bildungsprogramme in den gemeinsamen Forschungsschwerpunktbereichen, eine interne und externe Strukturbildung, die Förderung der gegenseitigen Mobilität zum Ausbau der Hochschulkooperation.


Worin sehen Sie die besondere Bedeutung der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit?

Die Bedeutung der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit möchte ich gern am Beispiel unserer Hochschulkooperation mit der SPbPU verdeutlichen. Diese wurde 1967 auf einem internationalen Symposium in Polen von Wissenschaftlern initiiert und 1984 mit dem Abschluss des ersten Kooperationsabkommen offiziell begonnen. Sie stammt aus einer Zeit, als die Partnerschaft mit einer russischen bzw. sowjetischen Universität für westdeutsche Institutionen überhaupt nicht üblich war. Diese Zusammenarbeit wurde ins Leben gerufen und kontinuierlich gepflegt und ausgebaut, um einen Dialog zwischen Gesellschaften - vor allem der akademischen Gesellschaft - herzustellen, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammenzubringen, ihnen die Möglichkeit zu geben, Ideen auszutauschen, zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen. Dadurch sind Brücken zwischen zwei Institutionen und zwei Kulturen und enge Kontakte zu weiteren Universitäten in St. Petersburg und Russland entstanden. Gemeinsam mit russischen Partnern erforschen unsere Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aktuell ein breites Spektrum an Themen wie zum Beispiel Klimawandel, Biomedizintechnik , Werkstoffkunde und viele andere. Das sind alles Themen, die auch langfristig eine besondere Bedeutung für die Gesellschaft nicht nur in Russland und Deutschland, sondern global haben. Darin liegt auch die Stärke solcher Kooperationen und der Wissenschaftszusammenarbeit. 


Welchen Schwerpunkt wollen Sie im dt.-russ. Themenjahr unter der Schirmherrschaft beider Außenminister für die deutsch-russische Wissenschafts-zusammenarbeit setzen? Wie ist Ihr Ausblick in die Zukunft?

Als das deutsch-russische Themenjahr ins Leben gerufen war, plante unsere Universität eine Veranstaltungsreihe anlässlich der 35 Jahre Partnerschaft mit der SPbPU. Das passte ideal zu der Idee des Themenjahres - den bestehenden Kooperationen eine besondere Würdigung zu verleihen. Somit haben wir den Schwerpunkt auf die Kooperation mit St. Petersburg gesetzt und mit zwei dort gemeinsam organisierten fachlichen Konferenzen sowie dem Seminar zur Digitalisierung der Hochschulen in Juni 2019 zu dem Themenjahr beigetragen. Ein besonders bewegendes Highlight war die Überreichung unseres Geschenkes an Professor Rudskoi: Ein Faksimile der in den Archiven der Leibniz Bibliothek in Hannover vorliegenden Ernennungsurkunde Peters des Großen für Leibniz zum „Geheimen Justizrat“ vom 11. November 1712.  Im Jahr 1712 traf Leibniz den Zaren ein zweites Mal bei dessen Kuraufenthalt in Karlsbad. Dort wurde Leibniz vom Zaren zum „Geheimen Justizrat“ ernannt und erhielt den Auftrag, Russland für die modernen Wissenschaften zu öffnen. Dieses Geschenk war eine gute Gelegenheit, ein Zeichen der Anerkennung zu setzen, die bisherigen Erfolge zu feiern und auch die Fortsetzung und Erweiterung der Zusammenarbeit mit unseren russischen sowie internationalen Partnern abzustimmen. Für die Zukunft möchten wir uns auf den weiteren Ausbau der strategischen Partnerschaft mit St. Petersburg, weitere Vernetzung sowie internationale, interdisziplinäre und multilaterale Zusammenarbeit in Forschung und Lehre konzentrieren. 


Welche Empfehlungen geben Sie, auf Basis Ihrer Erfahrungen, anderen Akteuren mit auf den Weg?

Beziehen Sie sowohl junge als auch erfahrene Kollegen und Kolleginnen in die Zusammenarbeit ein, schaffen Sie Begegnungsmöglichkeiten für Forschende, Promovierende, Studierende und Verwaltungspersonal. Auf diesem Weg können sie am besten voneinander lernen, neue Ideen generieren, Schritt für Schritt vertrauensvolle Beziehungen aufbauen und Tag für Tag Kooperationen aktiv leben. Nehmen Sie sich Zeit Ihre Partner kennenzulernen, lernen Sie die Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten besser zu verstehen und zu schätzen, feiern Sie Ihre gemeinsamen Erfolge. Nur in einem regelmäßigen Austausch und im kontinuierlichen Dialog können nachhaltige Partnerschaften entstehen.


Kontakt:
Nataliya Butych
Regional Coordinator Eastern Europe
Leibniz University Hannover (LUH)
Email: nataliya.butych@zuv.uni-hannover.de