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Die Veranstaltungen des Themenjahres geben Impulse für die Veröffentlichung gemeinsamer wissenschaftlicher Beiträge

Natalia Rostislawlewa, Direktorin des Deutsch-Russischen Bildungs- und Forschungszentrums der RGGU Moskau

Die Veranstaltungen des Themenjahres geben Impulse für die Veröffentlichung gemeinsamer wissenschaftlicher Beiträge

Das Deutsch-Russische Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018/2020 soll der Zusammenarbeit der Wissenschaftler beider Länder neue Impulse geben und das Zusammenwirken zwischen Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen transparenter machen. An welchen mit dem Themenjahr verbundenen Initiativen hat Ihre Universität teilgenommen und welche Ergebnisse haben sie gebracht? Welche Praktiken haben sich als wirksamste erwiesen

Das Deutsch-Russische Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018-2020 ist eine wichtige Initiative der Regierungen Russlands und Deutschlands.

Am 7. November 2019 wurde im Rahmen des Themenjahres in der Veranstaltung „Russian-German scientific dialogue within the Berlin science week“ im Russischen Haus in Berlin das deutsch-russische Projekt „Sicherheit und Zivilgesellschaft in Russland und Deutschland während des Ersten Weltkriegs. Internierung der Zivilbevölkerung Deutschlands und des Russischen Reichs (1914-1917)“ in Berlin vorgestellt. Als Ergebnis der Diskussionen und Privatgespräche haben sich die Erwartungen der Projektautoren hinsichtlich einer hohen wissenschaftlichen und öffentlichen Relevanz des Forschungsthemas bestätigt. Mit demselben Projekt haben wir am Wettbewerb „Brücken für die deutsch-russische Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit“ teilgenommen.

Das Deutsch-Russische Bildungs- und Forschungszentrum der RGGU hat sich an der Gestaltung und inhaltlichen Vorbereitung der Ausstellung der Russischen Staatsbibliothek zum Humboldt-Jubiläum beteiligt, die als Veranstaltung des Themenjahres stattfand. Die Studierenden wurden aktiv zur Vorbereitung der Ausstellung herangezogen. Sie haben in Moskauer Archiven und Bibliotheken gearbeitet, um Quellen und Literatur im Zusammenhang mit der Russlandreise Alexander von Humboldts zu finden. Das Projekt wurde in den Medien und der wissenschaftlichen Gemeinschaft beider Länder eingehend beleuchtet, wobei wissenschaftliche Lücken in der Untersuchung von Humboldts Werk in Russland und der UdSSR festgestellt wurden.


Wurden an Ihrer Universität Veranstaltungen im Rahmen des Deutsch-Russischen Jahres der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018/2020 durchgeführt? Wie war die Reaktion?

Die RGGU hat sich stets aktiv für die Zusammenarbeit mit Deutschland eingesetzt. Im Themenjahr jedoch haben die Veranstaltungen einen noch höheren Status erhalten. So hat zum Beispiel die Veranstaltung „Internierung und Deportation der Zivilbevölkerung Russlands und Deutschlands während des Ersten Weltkrieges“ den Teilnehmer*Innen den Anstoß gegeben, Beiträge in Ausgaben vorzubereiten, die in Scopus und WoS verzeichnet sind, und hat auch die Aufmerksamkeit der Historiker*Innen zu diesem praktisch unerforschten Problem auf sich gezogen.

Im Oktober 2019 hat eine Präsentation der deutsch-russischen Sammelmonografie „Russland und Deutschland im Ersten Weltkrieg: zwischen Sicherheit und Menschlichkeit“ stattgefunden, die bereits positive Rezensionen erhalten hat.

Nicht weniger effektiv sind die regelmäßigen Wettbewerbe für wissenschaftliche Studierenden-Projekte in Zusammenarbeit mit dem Institut für ethnokulturelle Bildung des Internationalen Verbands der deutschen Kultur (IVDK). Diese Projekte untersuchen den Beitrag von Deutschen und Russlanddeutschen zum wissenschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben Russlands. Die letzten zwei wurden in die Veranstaltungsliste des Themenjahres aufgenommen. Die Gewinner*Innen dieser Wettbewerbe haben die Möglichkeit, an einer wissenschaftlichen Konferenz in Deutschland teilzunehmen und die Ergebnisse ihrer Forschung in wissenschaftlichen Zeitschriften zu veröffentlichen (zwei Berichte wurden bereits in der Zeitschrift der RGGU „Humanitärer Akzent“ veröffentlicht). Ein wichtiges Ergebnis war die Organisation des ständigen wissenschaftlichen Seminars „Deutsche im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben Russlands des 18. bis Anfang des 21. Jahrhunderts“, wo die Berichte der Finalist*Innen und Teilnehmer*Innen des Wettbewerbs sowie anderer Studierender und Doktorand*Innen der RGGU diskutiert und Empfehlungen für weitere wissenschaftliche Forschung und Veröffentlichungen gegeben werden.


Was sind Hauptrichtungen der Zusammenarbeit Ihrer Universität mit den deutschen Hochschulen? Welche Richtungen planen Sie besonders aktiv zu entwickeln?

Das Deutsch-Russische Bildungs- und Forschungszentrum arbeitet aktiv mit vier deutschen Universitäten zusammen.

Die Partnerschaft mit dem Friedrich-Meinecke-Institut für Geschichte an der Freien Universität Berlin entwickelt sich vor allem auf der wissenschaftlichen Ebene. Wissenschaftliche Projekte werden mit finanzieller Unterstützung des Russischen Fonds für Grundlagenforschung und der DFG umgesetzt. Im Rahmen der Zusammenarbeit wurden bereits zwei Sammelmonografien herausgegeben, drei internationale Konferenzen abgehalten und deutsch-russische Berichte über diese Veranstaltungen veröffentlicht. Die Partnerschaft sieht auch die Abhaltung einer Konferenz über die humanitäre Tätigkeit während des Ersten Weltkrieges im November 2020 sowie die Druckvorbereitung einer weiteren deutsch-russischen Monografie Ende 2021 vor. Diese Zusammenarbeit trägt zur Entwicklung der Wissenschaftsdiplomatie (science diplomacy) zwischen Russland und Deutschland bei.

Die Partnerschaft mit der Humboldt-Universität (Berlin) entwickelt sich sowohl im Bereich der Bildung als auch in der Wissenschaft. Jährlich werden Studierende der RGGU und der Humboldt-Universität für das akademische Mobilitätsprogramm an der Partneruniversität ausgewählt. Zweifellos muss diese Kooperationslinie weiterentwickelt werden, da sie nicht nur für Bildungszwecke, sondern auch für die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeiten der Teilnehmer*Innen und die Herstellung von Kontakten zwischen ihnen wertvoll ist, was zur Bildung eines qualitativ anderen Raums für die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern in verschiedensten Bereichen beiträgt.

Es war gerade diese Universität, die als Hauptpartner bei der Gründung des Deutsch-Russischen Bildungs- und Forschungszentrums fungierte: Mit ihrer Unterstützung wurde die Bibliothek des Zentrums geschaffen, die Studierenden-Foren „Globalisierung und Identität“ organisiert und Ausstellungen mit Fotografien von Studierenden des Deutsch-Russischen Bildungs- und Forschungszentrums und der Humboldt-Universität veranstaltet, die ihre Wahrnehmung von Russland und Deutschland, der Gastuniversitäten und des täglichen Lebens im fremdsprachigen Raum widerspiegeln.

Im Rahmen des Programms Erasmus Plus entwickelt sich die Zusammenarbeit mit der Europa-Universität Flensburg und der Europa-Universität Frankfurt an der Oder (Viadrina). Schlüsselbereich ist die Mobilität von Studierenden, Dozent*Innen und Lektor*Innen. Aber Studierende, Mitarbeiter*Innen und Lehrkräfte dieser Universitäten werden immer eingeladen, an wissenschaftlichen und anderen Veranstaltungen des Russische Deutsch-Russischen Bildungs- und Forschungszentrums teilzunehmen.

Gemeinsam mit der Europa-Universität Flensburg entwickelt das Deutsch-Russische Bildungs- und Forschungszentrum das Programm „Tandemprojekt“, das Studierenden des pädagogischen Fachbereichs der Universität Flensburg hilft, über Online-Dienste Lehrerfahrungen im Deutschunterricht für Studenten der RGGU zu sammeln. Jedes Jahr kommt eine Gruppe deutscher Studierender aus Flensburg – Teilnehmer*Innen dieses Projekts – nach Moskau und kommuniziert offline mit RGGU-Studierenden, was nicht nur die Sprachfertigkeiten der RGGU-Studierenden formt, sondern auch zur Vertiefung der interkulturellen Kommunikation der jungen Menschen beider Länder beiträgt.


Wird der Deutschunterricht und Landeskunde für Studierende und Nachwuchswissenschaftler*Innen gefördert? Welche Formate existieren bereits und welche Pläne gibt es dazu?

Das Erlernen der deutschen Sprache und ihre Popularisierung sind die Schlüsselbereiche der Arbeit des Deutsch-Russischen Bildungs- und Forschungszentrums. Wie bereits erwähnt, wird innerhalb des Zentrums das „Tandemprojekt“ entwickelt, das das Interesse an der deutschen Sprache weckt und Sprachfertigkeiten herausbildet.

Am Standort des Deutsch-Russischen Bildungs- und Forschungszentrums wird das Zusatzausbildungsprogramm „Deutschland: Sprache, Geschichte, Politik und Kultur“ angeboten. Die Ausbildung dauert mindestens 6 Semester und wird mit der DSH-Diplomprüfung abgeschlossen, die zum Studium an deutschen Hochschulen berechtigt. Die Prüfung wird von Vertretern der Humboldt-Universität abgenommen. Dieses Programm läuft seit mehr als zehn Jahren, ist bei Studierenden beliebt, fördert die akademische Mobilität und erweitert die Rolle der deutschen Sprache an der RGGU.