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Man muss nicht an Megamaschinen arbeiten, um beeindruckende wissenschaftliche Ergebnisse zu erzielen

Andrej Blinow, Stellvertretender Generaldirektor - Leiter der Abteilung für Programm- und Projektleitung des Russischen Wissenschaftsfonds

Man muss nicht an Megamaschinen arbeiten, um beeindruckende wissenschaftliche Ergebnisse zu erzielen

Das Deutsch-Russische Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018-2020 soll der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern beider Länder neue Impulse geben und die Interaktion zwischen Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen transparenter machen. Unterstützt der Russische Wissenschaftsfond wissenschaftliche Projekte, die im Rahmen des Themenjahres durchgeführt werden und wie geschieht dies?

Seit 2015 fördert der Fond jährlich die besten deutsch-russischen Forschungsprojekte. Die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Bildung ist zwischen unseren Ländern traditionell auf einem hohen Niveau. Das Themenjahr ist ein von den Außenministerien initiiertes Dialogformat, das dazu beiträgt die Wissenschaftszusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland einer breiten Öffentlichkeit sichtbar zu machen. 

Unsere Unterstützung besteht darin, dass kooperierende russische und deutsche Teams regelmäßig und offen eine solide langfristige Projektförderung im Rahmen von Kooperationsprogrammen des Russischen Wissenschaftsfonds mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Helmholtz-Gemeinschaft beantragen können. Gemeinsam mit unseren deutschen Partnern, vor denen wir großen Respekt haben, haben wir bereits acht Ausschreibungen durchgeführt. In den letzten fünf Jahren wurden 72 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 1,05 Milliarden Rubel gefördert. 

Dieser Betrag ist beachtlich und vergleichbar mit den Jahresbudgets mehrerer wissenschaftlicher Institutionen. Den russlandweiten Ausgaben für Wissenschaft ähnelt der Betrag natürlich nicht  aber im Vergleich zu Partnern in anderen Ländern, mit denen wir zusammenarbeiten, sind unsere deutschen Partner im Hinblick auf Ko-Investitionen in gemeinsame Forschungsprojekte konkurrenzlos.

Man muss nicht an Megamaschinen arbeiten, um beeindruckende wissenschaftliche Ergebnisse zu erzielen. Die Ergebnisse unserer deutsch-russischen Projekte der letzten vier Jahre wurden in 413 Artikeln in internationalen Zeitschriften veröffentlicht, die von Web of Science und Scopus indiziert werden. 188 von ihnen (46%) - in maßgeblichen, oft zitierten Zeitschriften des ersten Quartils (Q1). Nach diesem Indikator liegen unsere Stipendiaten zum Beispiel in der deutschen Wissenschaft nahe am Standardniveau. Diese Ergebnisse sind inhaltlich für das Themenjahr sehr interessant. Thematisch reicht die Zusammenarbeit von der theoretischen Mathematik bis hin zur Entwicklung individueller Medulloblastom-Behandlungsstrategien bei Kindern und der Suche nach neuen Antibiotika. 

Erwähnenswert ist auch die weite geographische Ausdehnung der Partnerschaften, die weit über die Hauptstädte hinausgehen und fast alle Regionen unserer Länder umfassen. Eine solche Zusammenarbeit ist für beide Seiten bereichernd und ermöglicht es uns wissenschaftliche Herausforderungen gemeinsam zu bestreiten.

Gemeinsam mit unseren Partnern nahmen wir an einer Reihe fachlicher und gesellschaftlich wichtiger Veranstaltungen unter dem Motto des Themenjahres teil, zum Beispiel am traditionellen Sommerempfang für DFG-Partner oder den Wintergesprächen der Helmholtz-Gemeinschaft. 


Wie hat das Themenjahr die Arbeit des Russischen Wissenschaftsfonds beeinflusst? Welche Forschungsthemen sind heute für russische und deutsche WissenschaftlerInne von höchster Priorität? Wurden in den vergangenen 2 Jahren mehr gemeinsame Forschungsprojekte initiiert? 

Die Themenjahre bieten vor allem den WissenschaftlerInnen die Gelegenheit, sich auszutauschen und ihre Arbeit einem breiten Publikum sichtbar zu machen. Wie alle, die mit Deutschland auf dem Gebiet der Wissenschaft zusammenarbeiten, haben wir in dieser wichtigen Zeit das Gefühl, dass unsere Arbeit und unsere Ergebnisse mehr Aufmerksamkeit erhalten haben.

Alle Ergebnisse der unterstützten Projekte sind auf unserer Website öffentlich zugänglich und sind unser Beitrag zur Entwicklung der globalen Wissensgesellschaft, nicht nur der russischen oder deutschen. Wir sehen keine starken Veränderungen bei den prioritären Themen der Projekte, die wir fördern. Wie bisher können sämtliche Themen gefördert werden, wenn die Projekte von den Gutachtern als förderwürdig ausgewählt werden. 

Deutsche WissenschaftlerInnen sind aktiv an der Auswahl der eingereichten wissenschaftlichen Projekte beteiligt. 1560 internationale Experten aus 55 Ländern sind im Informations- und Analysesystem des RNF registriert. Deutschland steht in dieser Länderliste an erster Stelle - 287 Experten (zum Vergleich: USA - 229, Großbritannien - 191, Frankreich - 124). Und im Jahr 2016 waren es 117 von ihnen, so dass wir in vier Jahren eine bemerkenswerte Zunahme der deutscher Gutachter verzeichnen können, d.h. + 145%. 

Dank eines diversifizierten Systems unabhängiger externer Gutachter gehörte der Russische Wissenschaftsfond entsprechend den Ergebnissen einer internationalen Studie „Grant Peer Review in Focus“, die im Oktober 2019 von Publons veröffentlicht wurde, unter 4500 Befragten zu den TOP 10 hinsichtlich der Anzahl begutachteter Förderanträge. Solche hervorragenden Ergebnisse haben wir unter anderem dank unserer deutschen Gutachter erreicht. Jedes Jahr laden wir die Leiter der genehmigten Projekte ein, ehrenamtliche Gutachter zu werden. Die meisten stimmen zu und freuen sich, diese sehr wichtige Arbeit zu übernehmen.

Die Zahl der gemeinsamen Forschungsprojekte können wir nicht nur anhand der Zahl der eingereichten und genehmigten Anträge schätzen, sondern auch anhand der Zahl der Publikationen, die unsere Stipendiaten in Mitautorenschaft mit deutschen WissenschaftlerInnen verfasst haben. So ist in den letzten vier Jahren die Zahl solcher gemeinsamen Publikationen um 64% gestiegen - von 609 (2016) auf 997 (2019).


Wie stark sind junge WissenschaftlerInnen aus beiden Ländern in der deutsch-russischen wissenschaftlichen Zusammenarbeit engagiert? Nimmt die Zahl der jungen Menschen in der Wissenschaft im Laufe der Jahre zu?

Das Anforderungsprofil des RNF sieht vor, dass mindestens die Hälfte der Mitglieder des russischen Forschungsteams unter 39 Jahren ist. In Wirklichkeit sind es sogar mehr als die Hälfte. Insgesamt waren in der Vergangenheit mehr als 1.000 Menschen an der Durchführung von deutsch-russischen Projekten beteiligt, das entspricht dem Personal mehrerer wissenschaftlicher Organisationen. Davon waren 732 Menschen unter 39 Jahre alt (70%). Wir freuen uns aufrichtig, dass eine so hohe Zahl junger Menschen aus Russland in die gemeinsame Forschung involviert ist.

Hervorheben möchte ich noch das unerwartet hohe Interesse, das das RNF-Programm zur Förderung junger Wissenschaftler und Postdoktoranden – in Deutschland hervorgerufen hat. Obwohl das Programm neu ist und außerhalb Russlands noch kaum beworben wurde, haben sich bereits 9 deutsche NachwuchswissenschaftlerInnen für ein Stipendium beworben.

Wir sind davon überzeugt, dass es die begabten jungen Wissenschaftler Russlands und Deutschlands sind, die die Art und Tiefe der bilateralen wissenschaftlichen Beziehungen in den nächsten 10-15 Jahren bestimmen. Sie werden sich an der gemeinsamen Suche nach Antworten auf die globalen Herausforderungen der Zukunft beteiligen, ihre Ideen und Anstrengungen zur Entwicklung fortschrittlicher Technologien vereinen und die innovative Entwicklung der Wirtschaft und des sozialen Bereichs unserer Länder ermöglichen und die grundlegende Sicherheit der Welt stärken.