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Initiativen im Bereich der humanitären Zusammenarbeit - ein Akt der Wissenschaftsdiplomatie

Wera I. Zabotkina, Prorektorin für internationale Zusammenarbeit der Russischen Staatsuniversität für Geisteswissenschaften (RGGU)

Initiativen im Bereich der humanitären Zusammenarbeit - ein Akt der Wissenschaftsdiplomatie

Das Deutsch-Russische Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018-2020 (kurz Themenjahr) soll der Zusammenarbeit der Wissenschaftler beider Länder neue Impulse geben und das Zusammenwirken zwischen Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen transparenter machen. An welchen mit dem Themenjahr verbundenen Initiativen hat Ihre Universität teilgenommen und welche Ergebnisse haben sie gebracht? Welche Praktiken haben sich als wirksamste erwiesen?

Eine der Highlight-Veranstaltungen des Themenjahres war das Deutsch-Russische Forum der universitären Forschung, das in der Nationalen Universität für Forschung und Technologie MISIS stattgefunden und an dem auch die RGGU teilgenommen hat. Wichtig ist, dass während dieser Veranstaltung Vertreter der RGGU mit der Ministerin für Internationale Kulturpolitik des Bundesaußenministeriums in Berlin, Michelle Müntefering, zusammengetroffen sind, um über die geisteswissenschaftlichen Projekte zu sprechen, die an der RGGU im Rahmen des Themenjahres umgesetzt werden. Die Initiativen der RGGU im Bereich der geisteswissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Deutschland sind im Grunde genommen ein Akt der Wissenschaftsdiplomatie.

Darüber hinaus danken wir den Koordinatoren des Themenjahres für die Organisation des Wettbewerbes „Brücken für die deutsch-russische Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit“, an dem auch wir teilgenommen haben. Die RGGU wurde zusammen mit der ALU Freiburg für das Gemeinschaftsprojekt "Das Freiburg-Moskau Modell. Kulturtransfer und Nachwuchsförderung", neben 24 weiteren deutsch-russischen Wissenschaftsprojekten, bei der Abschlussveranstaltung des Themenjahres am 15.09.2020 in Berlin, ausgezeichnet.


Die epidemiologische Situation hat große Veränderungen in den Aktivitäten der Hochschulen bewirkt, auch in Bezug auf die akademische Mobilität. War es dennoch möglich, zumindest einen Teil der akademischen Mobilitätsprogramme mit deutschen Hochschulen im Rahmen des Deutsch-Russischen Jahres der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2019/2020 durchzuführen? Was ist als nächstes in dieser Richtung geplant?

Wir verwirklichen im Rahmen von Erasmus+ intensiv akademische Mobilitätsprogramme mit fünf deutschen Hochschulen (Universität Trier, Universität Münster, Universität Potsdam, Universität Flensburg, Europa-Universität Viadrina).

Am Internationalen Ausbildungs- und Forschungszentrum „Hochschule der Europäischen Kulturen“ der RGGU gibt es einen gemeinsamen Masterstudiengang mit Doppelabschluss unter der Leitung des Direktors des Zentrums Arkadij Perlow. Dieses Internationale Ausbildungs- und Forschungszentrum arbeitet mit dem Lotman-Institut für russische Kultur an der Ruhr-Universität Bochum (Deutschland) zusammen. Zwischen 2018 und 2020 haben acht Studierende der RGGU ein Praktikum in Deutschland im Rahmen des gemeinsamen Masterprogramms absolviert, während sechzehn Studenten aus Deutschland an die RGGU zum Studium gekommen sind.

Insgesamt studieren an der Universität mehr als 500 StudentInnen Deutsch, darunter 60 Studierende des Lehrstuhls Übersetzungswissenschaft am Institut für Geschichte und Philologie, die Deutsch als Übersetzungsfach studieren. Sie sind auch an akademischen Mobilitätsprogrammen mit deutschen Hochschulen beteiligt.


Mit welchen Hochschulen in Deutschland arbeitet ihre Universität zusammen? In welchen Bereichen und Projekten? Welche Ergebnisse würden Sie besonders hervorheben?

Die RGGU kooperiert mit 17 Universitäten in Deutschland. Hauptpartner ist die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Im Rahmen der mehr als zehnjährigen Zusammenarbeit werden mit Unterstützung von DAAD und DFG gemeinsame Master- und Doktorandenstudiengänge mit Doppelabschluss in den Richtungen „Ausländische Philologie“ und „Deutsch-Russischer Kulturtransfer“ durchgeführt. Es ist geplant, die Master- und Doktorandenstudiengänge mit der Universität Freiburg zu erweitern.

Unser zweiter Partner ist die Humboldt-Universität zu Berlin, mit der wir regelmäßig Studenten, Dozenten und Lektoren austauschen und gemeinsame Konferenzen organisieren.

Die RGGU kooperiert mit der Universität Konstanz, mit der ein Masterstudiengang mit Doppelabschluss in Osteuropastudien durchgeführt wird.

Letztes Jahr begann eine gute Initiative mit der Universität Erfurt: Es war das erste Mal, dass wir an dieser Universität eine Russischolympiade durchgeführt haben. Aufgrund des Erfolgs der Veranstaltung konnten wir anschließend an einer Ausstellung teilnehmen, die in Berlin im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur stattfand.

Die Europa-Universität Viadrina ist unser neuer Partner, mit dem wir auch im Rahmen von Erasmus+ zusammenarbeiten und den gemeinsamen Masterstudiengang mit Doppelabschluss „Kultur und Geschichte Mittel- und Osteuropas“ entwickelt haben.

Ich möchte auf die Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München hinweisen, die vor allem im Bereich der kognitiven Forschung durchgeführt wird. Das Zentrum für kognitive Programme und Technologien arbeitet mit dem Zentrum für geisteswissenschaftliche Studien dieser Universität zusammen, insbesondere mit dem weltweit führenden Experten auf diesem Gebiet, Doktor honoris causa Ernst Pöpel. Darüber hinaus wurde kürzlich ein neuer Vertrag mit der Fakultät für Slavistik an der Universität München unterzeichnet. Das bedeutet, dass unsere Russisten öfter nach München reisen werden, um die russische Sprache zu fördern und russische Bildung zu exportieren. Dementsprechend werden auch Studierende, DozentInnen und LektorInnen aus München an die RGGU kommen, um dort zu studieren und gemeinsam zu forschen.

Auch die Universität Trier ist ein wichtiger Partner der RGGU. Es gibt dort einen einzigartigen Spezialisten auf dem Gebiet der zeitgenössischen russischen Poesie – Henrieke Stahl, deutsche Literaturhistorikerin, Leiterin des Lehrstuhls für slavische Literaturwissenschaft des Fachbereichs Slavistik. Sie leitet das große Projekt „Russischsprachige Lyrik im Transit“, an dem unser Lehrstuhl für theoretische und historische Poetik der RGGU beteiligt ist. 

Erwähnenswert ist auch unsere Partnerschaft mit der Universität Göttingen, mit der wir seit acht Jahren in großen europäischen Erasmus-Mundus-Projekten – Triple I, Aurora und Aurora II – zusammenarbeiten. Die Zusammenarbeit erfolgte im Rahmen der Lehrkräfte-, Studierenden- und DoktorandInnenmobilität im geisteswissenschaftlichen Bereich. Leider ist diese Arbeit jetzt vorübergehend eingestellt, aber wir planen, sie wieder aufzunehmen.


Welche Veranstaltungen im Rahmen des Deutsch-Russischen Jahres der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018/2020 bewerten Sie als die interessantesten und bedeutendsten?

Im Rahmen des Themenjahres hat die Leiterin des Deutsch-Russischen Zentrums für Bildung und Forschung Natalia Rostislawlewa im April 2019 einen Wettbewerb von Studienarbeiten zum Thema „Deutsche Wissenschaftler und Professoren im soziokulturellen und wirtschaftlichen Leben Russlands des 18. bis Anfang des 21. Jahrhunderts“ organisiert. Daran haben sowohl russische als auch deutsche Studierende teilgenommen, was sehr wichtig ist. Darüber hinaus wurde ein weiterer derartiger Wettbewerb – „Deutsche im Wirtschaftsleben Russlands“ – veranstaltet.

Der Lehrstuhl für Germanistik an der RGGU unter der Leitung von Dirk Kemper, Professor, Doktor der Philologie, beteiligt sich aktiv an den Veranstaltungen des Themenjahres. Insbesondere fand vom 11. bis 12. März 2019 das Symposium „Deutscher Transfer und kulturelle Identität. Deutsch-russische Kontakte im europäischen Kontext“ statt.

Im Rahmen dieses Programms wurden auch internationale Konferenzen organisiert: „Europäische Avantgarde in den 1990er Jahren“, „Kontakt. Transfer. Transformation“ und „Auswärtige Kulturpolitik“, die im Frühjahr 2019 stattfanden.

Eine wichtige Veranstaltung, die in Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg stattfand, war das internationale Symposium für Absolventen von Master- und Doktorandenstudiengängen mit Doppelabschluss mit dem Titel „Вехи. Milestones. Meilensteine“. Es wurde auch vom Lehrstuhl für Germanistik der RGGU organisiert.

Den Schlusspunkt hinter die Serie von Veranstaltungen, die unsere Universität im Rahmen des Themenjahres organisierte, setzte die Konferenz „Internierungs- und Deportationsprozesse in Russland und Deutschland während des Ersten Weltkrieges“, die im Oktober 2019 am Friedrich-Meinecke-Institut für Geschichte der Freien Universität Berlin stattfand. Die Konferenz wurde vom Deutsch-Russischen Ausbildungs- und Forschungszentrum der RGGU organisiert. 

Ich unterstreiche die Rolle der Fakultät für internationale Beziehungen und ausländische Regionalwissenschaft der RGGU bei der Organisation von Veranstaltungen im Rahmen des Deutsch-Russischen Jahres der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018/2020.

Im Juli 2020 hat die Präsentation des gemeinsamen deutsch-russischen Buches „Deutsch-Russische Beziehungen während des Kalten Krieges“ stattgefunden. Die Sammlung wurde durch gemeinsame Anstrengungen von Wissenschaftlern aus Russland, Deutschland und Österreich mit Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung herausgegeben.

Die RGGU plant, die Wissenschafts- und Bildungspartnerschaften mit deutschen Hochschulen weiter auszubauen.