• Über das Themenjahr
  • Partnerschaften im Themenjahr
  • Themen
  • Leuchtturmprojekte
  • Forscherporträts
 

Forschung in Deutschland und Russland – Gemeinsam Lösungen finden für die Zukunft

Prof. Dr. Andrij Pich, Lehrstuhl für Funktionale und Interaktive Polymere, Institut für Technische und Makromolekulare Chemie, RWTH Aachen

Forschung in Deutschland und Russland – Gemeinsam Lösungen finden für die Zukunft

Welche Erfahrungen haben Sie mit der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit?

Die Erfahrungen, die wir von Seiten der RWTH machen, sind durchweg positiv. Wir haben viele Partner und Freunde in der gesamten russischsprachigen Region, mit denen wir auf den unterschiedlichsten Ebenen zusammenarbeiten. Wir hatten immer das Gefühl, dass uns an den Universitäten und Forschungseinrichtungen die Türen offenstehen und dass man dort an einer gleichberechtigten Zusammenarbeit interessiert ist. Durch die historischen Umstände hatten viele russische Universitäten vorwiegend Kontakte zu ostdeutschen Hochschulen. Die RWTH Aachen als die am westlichsten gelegene Universität Deutschlands hat aber in den letzten Jahrzehnten ihre Partnerschaften zahlenmäßig ausgedehnt und inhaltlich intensiviert. Wir sind sehr zufrieden damit, dass unsere Universität mittlerweile einen ausgezeichneten Ruf in Russland genießt, was es uns leichter macht, Partner in unseren Forschungsschwerpunkten zu gewinnen.


Welche sichtbaren Ergebnisse sind aus der Zusammenarbeit der RWTH Aachen University mit russischen Partnereinrichtungen inzwischen entstanden und welche Ziele werden verfolgt?

Die wichtigsten Ergebnisse aus der Zusammenarbeit der RWTH mit russischen Universitäten sind:

- ein neuer Kooperationsvertrag mit der Lomonosov Moscow State University (2017)

- die Integration von russischen Wissenschaftlerinnen und Wissensschaftlern der Lomonosov Moscow State University in den Sonderforschungsbereich 985 „Funktionale Mikrogele und Mikrogelsysteme“ (DFG) (2010 – 2020)

- die aktive Mitgliedschaft der RWTH im DWIH (seit 2019).

Außerdem konnten wir in den letzten Jahren zahlreiche Delegationen aus Russland an der RWTH Aachen begrüßen. Beispielsweise hatten wir Besuch von der Lomonosov-Universität, der St. Petersburger Peter der Große-Universität, der Polytechnischen Universität Tomsk, dem MEPhI und vielen weiteren Partnern.

Grundsätzlich verfolgt die RWTH Aachen University mit ihren Internationalisierungsbemühungen das Ziel, weltweit Kooperationspartner zu finden, die komplementär zu uns passen. Wir haben acht Profilbereiche unserer Forschung definiert und wollen uns in diesen Bereichen mit weltweit führenden Institutionen zusammenschließen, um die Erforschung und Entwicklung von Lösungen für gesellschaftliche Probleme voranzubringen. Die Universitäten und Forschungsinstitutionen in Russland arbeiten auf einem weltweit anerkannt hohen Niveau. Hier gibt es viele sehr interessante Forscherinnen und Forscher, Laboratorien und Forschungseinrichtungen. Es ist daher nur natürlich, dass wir Russland sowie die umliegende Region zu einem Kerngebiet unserer Internationalisierungsbemühungen gemacht haben.


Worin sehen Sie die besondere Bedeutung der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit?

Die großen Herausforderungen, die sich uns als Menschen derzeit stellen, kann niemand allein lösen. Nur wenn sich Forscherinnen und Forscher aus aller Welt vernetzen, können wir durch eine Vielfalt der Sichtweisen, durch die gemeinsam genutzte Kapazität der Forschungseinrichtungen und durch den Austausch von Ideen Lösungen für diese Herausforderungen finden. Wir an der RWTH können immens von dem Wissensschatz unserer Kolleginnen und Kollegen in Russland profitieren, unsere russischen Kolleginnen und Kollegen können wiederum Nutzen aus unserer Forschung ziehen. 


Welchen Schwerpunkt wollen Sie im dt.-russ. Themenjahr unter der Schirmherrschaft beider Außenminister für die deutsch-russische Wissenschaftszusammenarbeit setzen? Wie ist Ihr Ausblick in die Zukunft?

Die RWTH strebt an, sich zu einer integrierten, interdisziplinären Technischen Universität weiterzuentwickeln. Das bedeutet, dass wir der Überzeugung sind, dass nur in der Zusammenarbeit der wissenschaftlichen Disziplinen die großen gesellschaftlichen Fragen der Zukunft beantwortet werden können. Gemäß dieser Ausrichtung ist es für uns wichtig, im deutsch-russischen Themenjahr gerade auch diesen Ansatz mit einzubringen. 


Welche Empfehlungen geben Sie, auf Basis Ihrer Erfahrungen, anderen Akteuren mit auf den Weg?

Ich denke, dass es aufgrund der unterschiedlichen Konstitutionen der Hochschulen und Forschungsinstitutionen sehr schwierig ist, einen allgemeingültigen Rat zu geben. Das einzige, was sich sicherlich mit Fug und Recht sagen lässt, ist, dass es sich für Universitäten und Forschungseinrichtungen auf jeden Fall lohnt, den Blick nach Russland zu wenden. Auf wissenschaftlichem Gebiet geschieht hier viel Spannendes. Wir als RWTH haben es jedenfalls nie bereut, uns in Russland engagiert zu haben und werden unser Engagement auch in Zukunft weiter intensivieren.



Prof. Dr. Andrij Pich
Lehrstuhl für Funktionale und Interaktive Polymere
Institut für Technische und Makromolekulare Chemie, RWTH Aachen
Tel.: +49 241 80-23310
pich@dwi.rwth-aachen.de