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Einmal Humboldtianer, immer Humboldtianer

Dr. Steffen Mehlich, Leiter der Abteilung Förderung und Netzwerk, Alexander von Humboldt-Stiftung, Bonn

Einmal Humboldtianer, immer Humboldtianer

Welche Erfahrungen haben Sie mit der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit? 

Die Alexander von Humboldt-Stiftung fördert herausragend qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie zukünftige Führungskräfte aus wissenschaftsnahen Bereichen und gestaltet so ein weltweit kooperierendes Exzellenznetzwerk. Ein wichtiger Teil dieses Netzwerks sind unsere Alumni in der Russischen Föderation. 

Mit ca. 750 Alumni der Programme der Humboldt-Stiftung in Russland gehört das Netzwerk zu den zehn größten in Europa. Auf der Website der Humboldt-Stiftung kann die sogenannte Geographie des Wissens mit Weltkarten und Grafiken erkundet werden. Dort können Sie unter anderem sehen, welche Universitäten und Forschungseinrichtungen eine besonders hohe Anzahl von Humboldtianern aufweisen – die Russische Akademie der Wissenschaften beispielsweise zählt hier zu den führenden Einrichtungen.

An dieser Stelle möchte ich auch das Bundeskanzler-Stipendienprogramm erwähnen, mit dem die Führungskräfte von morgen gefördert werden. Jährlich werden bis zu je zehn Personen aus Brasilien, China, Indien, Russland und den USA für eine Teilnahme am Programm ausgewählt. Die russischen Alumni sind sehr aktiv und spielen eine wichtige Mittlerrolle zwischen Deutschland und Russland: Im Humboldt-Jubiläumsjahr 2019 haben sie z.B. in Samara ein spannendes Humboldt-Kolleg zu aktuellen Fragen urbaner Entwicklung unter dem Titel  „City for Living“ organisiert.


Welche sichtbaren Ergebnisse sind aus der Zusammenarbeit der AvH mit russischen Partnereinrichtungen inzwischen entstanden und welche Ziele werden verfolgt?

Bei den Partnern der Alexander von Humboldt-Stiftung in Russland handelt es sich weniger um Einrichtungen als um Personen, die zuvor an unseren Förderprogrammen teilgenommen haben. Seit den 1970er Jahren wurden insgesamt 1317 Wissenschaftler*innen aus der damaligen Sowjetunion und der heutigen Russischen Föderation gefördert. 

Unsere dortigen Alumni engagieren sich in sechs Humboldt-Vereinigungen in fünf russischen Regionen: Moskau, St. Petersburg (hier gleich zweimal, u.a. in einer eigenen Vereinigung der ehemaligen Bundeskanzler-Stipendiat*innen aus der Russischen Föderation), Kasan, Pensa/Wolga-Region und Novosibirsk. In St. Petersburg, Moskau und Novosibirsk werden wir zusätzlich von ehrenamtlichen Vertrauenswissenschaftler*innen unterstützt. Diese informieren an russischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen über den Forschungsstandort Deutschland sowie insbesondere über die Förderprogramme und das internationale Netzwerk der Stiftung. 

Das Motto „Einmal Humboldtianer, immer Humboldtianer“ steht für die lebenslange Förderung der Alexander von Humboldt-Stiftung. Die Alumni-Förderangebote der Humboldt-Stiftung bieten die Möglichkeit, das Humboldt-Netzwerk zu pflegen, zu stärken und auszubauen. Die Alexander von Humboldt-Stiftung unterstützt im Rahmen der Alumni-Förderung z.B. derzeit sieben Institutspartnerschaften zwischen russischen und deutschen Instituten. 

Und nicht zu vergessen: Die Humboldt-Stiftung engagiert sich zudem als Gründungsmitglied im Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) in Moskau


Worin sehen Sie die besondere Bedeutung der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit?

Die deutsch-russische Wissenschaftszusammenarbeit kann sich auf eine jahrhundertelange Tradition stützen. Insbesondere in politisch schwierigen Zeiten ist der wissenschaftliche Austausch von Fachkolleginnen und Fachkollegen eine Möglichkeit, um ideologische Mauern zu überwinden und eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland zu fördern. Welchen Stellenwert beide Partner diesem Austausch beimessen, zeigt sich auch in der bereits verabschiedeten gemeinsamen Roadmap.


Welchen Schwerpunkt wollen Sie im dt.-russ. Themenjahr unter der Schirmherrschaft beider Außenminister für die deutsch-russische Wissenschaftszusammenarbeit setzen? Wie ist Ihr Ausblick in die Zukunft?

Das deutsch-russische Themenjahr stand von Beginn an unter einem guten Stern: es fällt zusammen mit dem 250. Geburtstagsjubiläum Alexander von Humboldts (1769-1859) sowie dem 190. Jahrestag seiner berühmten Russlandreise. Unser Namensgeber war Naturforscher und Forschungsreisender, Universalgenie und Kosmopolit, Gelehrter und Mäzen. Sein Beitrag zu den deutsch-russischen Wissenschaftsbeziehungen wirkt bis heute nach. Die Humboldtianer*innen in Russland haben das Jubiläumsjahr mit Veranstaltungen gefeiert, die insbesondere auch die aktuellen Forschungs- und Hochschulkooperationen in den Blick genommen haben.

Eines der Highlights war eine internationale Fachtagung über „Alexander von Humboldt und Deutsch-Russische Wissenschafts- und Bildungsbeziehungen im 18. bis 20. Jahrhundert“, die am Vorabend der Tagung der deutsch-russischen Gemeinsamen Geschichtskommission in Moskau stattfand. Diese Vorveranstaltung wurde von Akademiemitglied und Humboldt-Alumnus Prof. Dr. Alexandr Chubaryan organisiert.


Welche Empfehlungen geben Sie, auf Basis Ihrer Erfahrungen, anderen Akteuren mit auf den Weg?

Ich bin überzeugt, dass der bi- und multilaterale Dialog fortgesetzt werden muss. Die Wissenschaft führt uns manchmal in unerwartete Richtungen, wir sollten also Förderformate und Austauschmöglichkeiten entwickeln, die für alle Themen offen sind und Freiraum für neue Entdeckungen und Weiterentwicklungen schaffen. 

Die Herausforderungen, die an die internationale Gemeinschaft gestellt werden, wachsen zunehmend. Das sehen wir nur allzu deutlich an den Auswirkungen der gegenwärtigen Coronavirus-Pandemie. Es wird deshalb auch künftig notwendig sein, die Ressourcen für Großprojekte zu bündeln. Angesichts der gewaltigen gesellschaftlichen Veränderungen werden zudem die Geistes- und Sozialwissenschaften eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung unserer Zukunft spielen –  ihre kontinuierliche, stabile Förderung sollte uns allen ein wichtiges Anliegen sein.


Dr. Steffen Mehlich
Alexander von Humboldt-Stiftung
Abteilungsleiter Förderung und Netzwerk
Steffen.Mehlich@avh.de
Tel.: +49(0)228-833-209