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Deutsch-russische Nachwuchsförderung in der Wirtschaft – eine Mission in eigener Sache

André Fritsche Leiter der Abteilung Regierungskontakte Repräsentant des Bundeslandes Hessen in der Russischen Föderation

Deutsch-russische Nachwuchsförderung in der Wirtschaft – eine Mission in           	eigener Sache

Welche Erfahrungen haben Sie mit der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit?

Vor allem mit dem DAAD verbindet die AHK Russland seit vielen Jahren eine enge Kooperation zur Förderung der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit. Als größter ausländischer Wirtschaftsverband in Russland ist für uns insbesondere das Thema Nachwuchsförderung zentral. So besteht beispielsweise das Programm „Russland in der Praxis", welches deutsche Studierende und Graduierte fördert, die ein Praktikum in Russland absolvieren möchten. Deutsche Unternehmen wie Siemens, Robert Bosch und Volkswagen stellen Praktikumsplätze zur Verfügung und haben so die Chance, junge Nachwuchskräfte mit frischen, innovativen Ideen für ihre zukünftigen Arbeitsfelder zu gewinnen.

Unsere Aufgabe ist es dabei, die Verbindung zu den Mitgliedsunternehmen und anderen interessierten Firmen in Russland herzustellen und die Verbreitung der Informationen über das Programm zu sichern. Das ist von großer Bedeutung für die Intensivierung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. Denn schließlich stellen diese jungen PraktikantInnen perspektivisch die künftigen Fach- und Führungskräfte für den deutsch-russischen Wirtschaftsaustausch dar. Auch in der AHK Russland haben wir regelmäßig DAAD-PraktikantInnen, die für ein halbes Jahr fester Teil unseres Teams sind. 

Im Rahmen des Programms „Russland in der Praxis“ arbeiten wir zugleich eng mit der russischen Top-Universität Higher School of Economics (HSE) zusammen – eine Kooperation,  die hervorragend läuft. 

Außerhalb von „Russland in der Praxis“ beziehen wir weitere PraktikantInnen von verschiedensten russischen Universitäten und bereiten sie so als Nachwuchskräfte für ihre Arbeit in deutschen Unternehmen in Russland vor. Die Fachkräftegewinnung auf akademischer Ebene ist ebenso wichtig wie die duale Berufsausbildung in den Unternehmen. 

Als Teil des DIWH-Netzwerkes unterstützen wir als AHK auch bei der Bearbeitung verschiedener Anfragen seitens des DAAD. Wir nehmen regelmäßig an Veranstaltungsformaten und Konferenzen zu Bildungs- und Forschungsthemen teil. So konnte ich vor nicht allzu langer Zeit ein Panel im Rahmen des deutsch-russischen Wissenschaftsjahres des DAAD moderieren, an dem viele unserer deutschen Mitglieder teilnahmen, die mit russischen Instituten gemeinsame Forschungsprojekte durchführen.

Ein weiteres gelungenes Beispiel erfolgreicher Zusammenarbeit der AHK mit russischen Partnern ist unsere enge Kooperation mit den Skolkovo-Einrichtungen, in diesem Sinne auch zur Management School und dem Innovationszentrum. Mit beiden haben wir bereits häufiger gemeinsame Veranstaltungen durchgeführt, vor allem in den Bereichen Innovationen und Start-Ups. 

Viele unserer knapp 1.000 Mitgliedsunternehmen betreiben in Russland Forschung und es bestehen langjährige Partnerschaften mit russischen Universitäten, wobei wir sie tatkräftig unterstützen und begleiten. Dazu besteht auch ein regelmäßiger Austausch mit dem deutschen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBF) und dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).


Welche sichtbaren Ergebnisse sind aus der Zusammenarbeit der AHK mit russischen Partnereinrichtungen inzwischen entstanden und welche Ziele werden verfolgt?

Eines der konkreten Ergebnisse im Rahmen unserer Arbeit mit russischen Partnereinrichtungen ist, dass wir viele unserer PraktikantInnen auf das Berufsleben vorbereiten  und sie dadurch im Anschluss an ihre Praktika als Nachwuchskräfte langfristig in Festanstellungen vermitteln konnten. 

Unser erklärtes Ziel ist es, beidseitig auch auf politischer Ebene bestmögliche Beziehungen aufzubauen und eine unternehmerfreundliche Landschaft für unsere Mitgliedsfirmen im Bereich Wissenschaft und Forschung zu schaffen. Der Transfer von Forschungsergebnissen ist für viele deutsche Unternehmen ausschlaggebend für ihren Erfolg. Die russischen AbsolventInnen in den Bereichen IT und Naturwissenschaften sind international sehr gefragt und ein Gewinn für das Geschäft in Russland – sowie  darüber hinaus. Wir planen unsere bilaterale Zusammenarbeit, ungeachtet der aktuellen Herausforderungen der weltweiten Wirtschaftskrise infolge der Corona-Pandemie, weiter zu intensivieren, um noch mehr deutsche Studierende und AbsolventInnen für Russland zu begeistern und andersherum. 


Worin sehen Sie die besondere Bedeutung der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit?

Für  die AHK Russland und die deutsche Wirtschaft in Russland kommt der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit ein besonderer Stellenwert zu. Es ist sehr wichtig, dass Kooperationen entstehen und Unternehmen vor Ort auf gut ausgebildetes Personal und Forschungsmöglichkeiten zurückgreifen können. Schließlich sind Fachkräftesicherung und Innovationsausbau Schlüsselfaktoren für den zukünftigen Erfolg deutscher Unternehmen auf dem russischen Markt. Viele dieser Kooperationen bestehen bereits seit Jahrzehnten, sei es die Erforschung der Arktis oder auch die Forschung in der Pharmaindustrie, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Wirtschafts- und Bildungskooperation sind Best Practice- Beispiele für die tiefen und engen Bindungen in der deutsch-russischen Zusammenarbeit. Ungeachtet der politischen Rahmenbedingungen sind es die Unternehmen und Universitäten, die die Bindungen aufrechterhalten. Diese sollten wir weiter stärken.


Welchen Schwerpunkt wollen Sie im dt.-russ. Themenjahr unter der Schirmherrschaft beider Außenminister für die deutsch-russische Wissenschaftszusammenarbeit setzen? Wie ist Ihr Ausblick in die Zukunft?

Zwar fällt es schwer zu diesem Zeitpunkt konkrete Themen festzulegen, jedoch denke ich, dass Innovationen ein Schwerpunkt des deutsch-russischen Themenjahrs für die Wissenschaftszusammenarbeit sein sollten. Unsere AHK ist bereits sehr aktiv im Bereich Grüne Technologien und es wäre sicherlich sinnvoll, dieses Thema aufzugreifen und weiter auszubauen. Moderne und vor allem ökologisch nachhaltige Technologien sind ein Trend der Zukunft und werden, ungeachtet der Herausforderungen rund um die Pandemie, weltweit an Bedeutung zunehmen. Die Anpassung an ökologische Normen ist darüber hinaus ebenfalls ein ausschlaggebender Faktor für die zukünftigen Chancen der Unternehmen, z.B. die Nutzung von Wasserstoff als Energieträger.


Welche Empfehlungen geben Sie, auf Basis Ihrer Erfahrungen, anderen Akteuren mit auf den Weg?

Scheuen Sie sich nicht vor der Zusammenarbeit mit russischen Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Wir haben hier sehr viele gute Erfahrungen machen können. 


André Fritsche
Leiter der Abteilung Regierungskontakte, AHK
Repräsentant des Bundeslandes Hessen in der Russischen Föderation
fritsche@russland-ahk.ru
Tel.: +7 495 234 49 50 - 2330