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Bäume wachsen von unten nach oben

Prof. Dr. Eduard Gerhardt von der Hochschule Coburg

Bäume wachsen von unten nach oben

Beschreiben Sie die Grundlagen der Partnerschaft…

Aus meinen Beratungsgesprächen als Auslandsbeauftragter habe ich gelernt, dass unsere Studenten, die ein Auslandssemester anstreben, oft nach exotischen Zielen suchen. Einerseits ist die Suche nach Exotik erlebnisbedingt, man will einfach etwas neues erleben. Andererseits ist der Wunsch nach Exotik klangvollen Namen reiner Pragmatismus, man will etwas für den Lebenslauf tun. Ein Auslandssemester in Novosibirsk sorgt bei Personalern sicherlich für mehr Erstaunen und Neugier auf den Bewerber als ein Auslandssemester z.B. in einer europäischen Großstadt. Novosibirsk als größte Stadt Sibiriens und als Wissenschaftsstandort, bietet diesen Hauch von Exotik bei sehr guter Infrastruktur, Sicherheitslage und zahlreichen Möglichkeiten für außeruniversitäre Aktivitäten. In der Novosibirsk State University of Economics and Management (NSUEM) haben wir einen sehr guten und zuverlässigen Partner gefunden.


Welche sichtbaren Ergebnisse sind aus dieser Kooperation/diesem Projekt inzwischen entstanden, und welche Ziele wollen Sie erreichen?

Als eins der sichtbaren Ergebnisse der Kooperation kann ihre Kontinuität und Intensität genannt werden. SieAls Auslandsbeauftragter kann ich berichten, dass Kooperation mit großem Aufwand angestoßen werden und dann oft wieder einschlafen. Mein persönliches Ziel ist stärkere Verflechtung der Lehre zwischen beiden Universitäten. Dazu haben wir sogar bei uns ein Labor für virtuelle Teamarbeit eingerichtet, in dem Chancen und Grenzen der virtuellen Teams sowie technische Möglichkeiten erforscht werden. Virtuelle Vorlesungen, Konferenzen gehören auch dazu.

Worin sehen Sie die besondere Bedeutung Ihrer Partnerschaft/Ihres Projektes?

Gemeinsame studentische Projekte, die mit lokalen Firmen durchgeführt werden, bieten Studenten Studierenden beider Universitäten, die Partneruni während des Studiums zu besuchen die Chance, Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen beiden Ländern live im Alltag und in einer Arbeitsatmosphäre zu erleben. Die Betonung liegt auf Arbeitsmodus! Studenten stehen unter Druck, konkrete Ergebnisse für die beteiligten Firmen zu erbringen und müssen sich in einem interkulturellen Team mit Sprachbarrieren zurechtfinden. Das ist eine sehr gute Simulation der späteren Projektarbeit in einem internationalen Unternehmen und sehr gute Vorbereitung auf das Arbeitsleben. Gleichzeitig profitieren beteiligte Unternehmen von dieser Kooperation. So haben wir für ein deutsches Versandunternehmen untersucht, ob deren Smartphone-APP intuitiv anhand von Icons nutzbar ist. Dazu hat Novosibirsk eine hervorragende Plattform geboten. Probanden mussten ohne Deutschkenntnisse in der App bestimmte Artikel finden, bestellen, Retouren durchführen etc.

Dadurch haben wir Icons identifiziert, die nicht aussagekräftig waren und für Irritation sorgten. Für ein russisches Unternehmen haben wir analysiert, ob es in Deutschland seine Reifenreparaturkits vertreiben kann. Das Ergebnis war, dass es in Deutschland im Gegensatz zu Russland aufgrund der gesetzlichen Vorgaben und des Sicherheitsverhaltens der Verbraucher keinen Business-to-Consumer-Markt für diese Artikel gibt. Die Empfehlung an das Unternehmen war sich auf den Business-to-Business-Markt zu fokussieren.

Welchen Schwerpunkt wollen Sie im dt.-russ. Themenjahr unter der Schirmherrschaft beider Außenminister für Ihre Kooperation setzen?

Meine Empfehlung ist eindeutig, der Fokus sollte auf diversen Formaten des Studentenaustausches gelegt werden, denn sie sind künftige Forscher. Diese Formate Angebote sollten ausgebaut werden. Meines Erachtens beschränkt sich Studentenmobilität nur auf Austauschsemester oder Summerschool. Austauschformate wie z.B. studentische Konferenzen, Projekte sind rar. Man versucht bei Kooperation immer ganz oben (in der Forschung) einzusteigen und vergisst dabei, dass Bäume von unten nach oben wachsen. Werden in den frühen Jahren keine Grundlagen gelegt, dann gibt es später auch keine Forscher, die sich für deutsch-russische Forschungsprojekte interessieren.


Prof. Dr. Eduard Gerhardt
University of Applied Sciences Coburg
Business Informatics | Head SAP Lab
Friedrich-Streib-Str. 2 | 96450 Coburg/Germany
T +49 9561 317377 | F +49 9561 317334