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Der DAAD in der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit – Vielfalt und Tradition

Dr. Dorothea Rüland, Generalsekretärin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD)

Der DAAD in der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit – Vielfalt und Tradition

Frau Dr. Rüland, der DAAD und das DWIH Moskau koordinieren auf deutscher Seite das Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft. Was ist das Ziel des deutsch-russischen Themenjahres?

Das Deutsch-Russische Themenjahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft ist am 6. Dezember 2018 eröffnet worden – mit einer Gemeinsamen Erklärung von Außenminister Heiko Maas und Minister für Auswärtige Angelegenheiten der Russischen Föderation, Sergej W. Lawrow. Auf deutscher Seite koordiniert der DAAD die Aktivitäten in Deutschland und in Russland bis Ende des Jahres 2020 zusammen mit dem Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH Moskau).

Die deutsch-russische Wissenschaftscommunity erhält durch das Dialogformat Themenjahr eine eigene Plattform, um bestehende und neue Aktivitäten sichtbarer zu machen. Das verleiht aktiven Projekten zusätzliche Impulse und schafft Anreize für neue Kooperationen. Wir möchten damit auch einen Beitrag dazu leisten, die bilaterale Mobilität von Studierenden, Forschenden und Lehrpersonal weiter auszubauen.

Aus meiner Sicht ist das Themenjahr außerdem ein wichtiger Pfeiler der Science Diplomacy: indem es die bestehenden gemeinsamen Aktivitäten in der Wissenschaft und Hochschulbildung bündelt und transparent macht, wird deutlich, dass die ausgezeichneten Beziehungen in der akademischen Zusammenarbeit ein wichtiger Pfeiler der bilateralen Beziehungen unserer Länder sind.


Wie funktioniert die Umsetzung? Welche Aktivitäten innerhalb des Themenjahrs würden Sie aus DAAD-Perspektive hervorheben?

Die vielfältigen Aktivitäten in den vier zentralen Bereichen des deutsch-russischen Themenjahres (Hochschulzusammenarbeit, Spitzenforschung, Innovation, Nachwuchsprojekte) darzustellen gelingt vor allem über die Webseite des Themenjahrs. Deren inhaltliche Verantwortung auf deutscher Seite liegt beim DWIH Moskau, das von uns als DAAD verantwortet wird. Neben der Veranstaltungsübersicht finden Sie dort detaillierte Einblicke in die Wissenschaftszusammenarbeit; Akteure der deutsch-russischen Wissenschaftscommunity berichten aus der bilateralen Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit, hinzu kommen längere Forscherporträts aus der Arktis, der intelligenten Stadt, der Pandemieforschung und vieles andere mehr.

Auf der Webseite finden Sie auch zentrale Projekte, Leuchtturmprojekte, die im Aktivitäts- und Fördervolumen einzigartig sind. Dazu gehören die vom DAAD geförderten bilateralen Hochschulkooperationen, das German-Russian Institute for Advanced Technologies (GRIAT), das German-Russian Interdisciplinary Science Centre (G-RISC), das St. Petersburger Zentrum für Deutschland- und Europastudien (ZDES) und das Moskauer Institut für deutsch-russische Literatur- und Kulturbeziehungen (IRDLK). 

Besonders wichtige Veranstaltungen, die im Rahmen des deutsch-russischen Themenjahres stattgefunden haben und vom DAAD und DWIH Moskau (mit)veranstaltet wurden, sind das Deutsch-Russische Forum für universitäre Forschung in Moskau, die Veranstaltung zur Halbzeit des Deutsch-Russischen Themenjahrs, die 9. Deutsch-Russische Woche der NachwuchswissenschaftlerInnen sowie die DAAD-Alumniveranstaltung im Rahmen des Deutsch-Russischen Jahres der Hochschulkooperation und Wissenschaft. 


Worin liegt die besondere Bedeutung der deutsch-russischen Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit für den DAAD?

Die deutsch-russischen Hochschul- und Wissenschaftsbeziehungen sind einzigartig in Europa. Kooperationen bestehen auf praktisch allen institutionellen Ebenen, vom wissenschaftlichen Nachwuchs über die Studiengangsebene bis hin zu Forschungsverbünden. Die deutsch-russischen Partnerschaften im Hochschulbereich zeichnen sich außerdem durch Vielfalt und eine große thematische Breite aus. So fördert der DAAD neben Hochschulprojekten in den Natur- und Ingenieurwissenschaften, auch eine Reihe von geisteswissenschaftlichen Projekten. 

Unterstützt und begleitet wird die deutsch-russische Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit durch die DAAD-Außenstelle in Moskau, mehrere DAAD-Informationspunkte im Land, die zahlreichen Lektorate sowie das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus in Moskau (DWIH). 


Hat die Corona-Krise Auswirkungen auf den akademischen Austausch und die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Russland?

Von den weitreichenden, weltweiten Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus u.a. in der Reisefreiheit ist natürlich auch die deutsch-russische Wissenschaftszusammenarbeit direkt betroffen. Alle involvierten Akteure mussten in relativ kurzer Zeit auf digitale Angebote umstellen als im März 2020 aufgrund der COVID-19 Pandemie bilaterale Wissenschaftsmobilität und Präsenzveranstaltungen vorerst eingestellt wurden. Dies hat jedoch – vor allem dank des überdurchschnittlichen Engagements aller Beteiligten – im Großen und Ganzen sehr gut funktioniert. 

Dank der digitalen Plattform des deutsch-russischen Themenjahres konnte gewährleistet werden, dass die Aktivitäten der deutsch-russischen Wissenschafts-Community sichtbar blieben und neue Formate entstanden. Die deutsch-russische Wissenschaftszusammenarbeit widmet sich auch der Pandemiebekämpfung: Dies zeigt unter anderem die Zusammenarbeit der Technischen Universität Freiberg und der Föderalen Universität des Urals Jekaterinburg, die gemeinsam an einem Wirkstoff gegen Covid-19 forschen

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen der COVID-19-Pandemie geraten vor allem die Themen Gesundheitswesen und Biotechnologie in den Fokus von gemeinsamen zukünftigen deutsch-russischen Forschungsprojekten.


Ende September endet das Themenjahr. Wie fällt Ihr vorläufiges Fazit aus? 

Als Dialogformat ist es dem Themenjahr schon jetzt gelungen, die deutsch-russischen Wissenschaftsbeziehungen in einer Zeit großer Herausforderungen nicht nur zu stabilisieren, sondern ihnen weitere Impulse zu verleihen. Wichtige Meilensteine, die hier aktuell anstehen, sind u.a. der Wettbewerb „Brücken für die deutsch-russische Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit“, der mit 124 eingereichten Bewerbungen eine große Resonanz in der Community widerspiegelt. Den festlichen Abschluss bildet die am 15. September 2020 geplante Abschlussveranstaltung, die als hybrides Format aus einer virtuellen wissenschaftspolitischen Panel-Diskussion und als Präsenzveranstaltung für die ministerielle Ehrung der 20 ausgezeichneten Projekte geplant ist.

Über das Themenjahr hinaus wird sich der DAAD selbstverständlich auch weiterhin für die bilaterale Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation einsetzen – zum Beispiel durch eine aktive Rolle im Rahmen der „Deutsch-Russischen Roadmap“.


Dr. Dorothea Rüland
Generalsekretärin
Deutscher Akademischer Austauschdienst
E-Mail: rueland@daad.de