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Das Feld gemeinsam bestellen: Langjährige Zusammenarbeit schafft Vertrauen und Perspektiven

Tobias A. Stüdemann, Leiter Verbindungsbüro Moskau, Freie Universität Berlin

Das Feld gemeinsam bestellen: Langjährige Zusammenarbeit schafft Vertrauen und Perspektiven

Welche Erfahrungen haben Sie mit der deutsch-russischen Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit?

Seit 10 Jahren leite ich das Verbindungsbüro der Freien Universität Berlin in Moskau und bin von dort aus zuständig für die gesamte GUS, allerdings mit klarem Schwerpunkt auf Russland. Mit russischen Universitäten und Instituten arbeiten alle Fachbereiche der Freien Universität zusammen – sei es in der gemeinsamen Forschung, bei Konferenzen, in der akademischen Mobilität oder gemeinsamen Studienprogrammen. Seit 1968, d.h. vor über 50 Jahren, als die Freie Universität den ersten Kooperationsvertrag mit der Leningrader Staatlichen Universität schloss, sind wir von mehrjährigen, detailliert geplanten Forschungsplänen zu einer in Russland als auch in Berlin sicht- und erlebbaren flexiblen Kooperation übergangen, die sich weiterhin dynamisch entwickelt und enger verwebt. Diese Prozesse gestalte ich durch administrative Unterstützung und insbesondere durch interkulturelle Kommunikation aktiv mit. An meiner Rolle als „Russland-Kommunikator“, wie es unsere Pressestelle vor 10 Jahren formuliert hat, hat sich daher wenig geändert.


Welche sichtbaren Ergebnisse sind aus der Zusammenarbeit der FU Berlin mit russischen Partnereinrichtungen inzwischen entstanden und welche Ziele werden verfolgt?

Ein wichtiges Ziel erreichen wir immer besser, nämlich insbesondere Studierendenmobilitätszahlen in Bezug auf Incomings und Outgoings auszugleichen und auch in finanzieller Hinsicht auf Augenhöhe zu agieren. Fachgebundene Austauschprogramme helfen hierbei ebenso entscheidend, wie dies bspw. im Rahmen des German-Russian Interdisciplinary Science Centers (G-RISC) als symbolträchtige Geste bereits praktiziert wird. Nachdem man im anderen Land als Gastforscherin oder Gastforscher gewesen ist, soll man auch zum Gegenbesuch als Gastgeberinnen oder Gastgeber einladen. Wie auch in unseren gemeinsamen Studienprogrammen verteilen wir in diversen anderen Projekten die finanziellen Lasten paritätisch bzw. handeln die gleichen Bedingungen für deutsche und russische Studierende aus.

Als Freie Universität sind wir darauf angewiesen, mit hervorragenden Kolleginnen und Kollegen und offenen Einrichtungen zusammenzuarbeiten – beides finden wir in Russland und damit direkt vor unserer geographischen Haustür.


Worin sehen Sie die besondere Bedeutung der deutsch-russischen Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit?

Wissenschaftliche Zusammenarbeit ist immer von besonderer Bedeutung. Findet sie zudem interkulturell statt, sind neue Ansätze und Ergebnisse fast schon garantiert. Darüber hinaus schaffen wir als global aufgestellte Universität Räume zur Entfaltung des talentierten Nachwuchses. Und Russland ist hierbei ein verlässlicher Partner – egal wie schwierig die politischen Zeiten sind oder waren. Im Gegensatz zu anderen Regionen in der Welt gibt es in Russland noch viele wenig erforschte Bereiche. Gerade für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bietet das ungeahnte Möglichkeiten!


Welchen Schwerpunkt wollen Sie im dt.-russ. Themenjahr unter der Schirmherrschaft beider Außenminister für die deutsch-russische Hochschul- und Wissenschafts-zusammenarbeit setzen? Wie ist Ihr Ausblick in die Zukunft?

Schwerpunkte setzen bei uns die forschenden Universitätsangehörigen – ihr Interesse ist die treibende Kraft für jede Zusammenarbeit. Mit dem Verbindungsbüro versuchen wir, sie von administrativen Bürden zu entlasten, damit sie auf diese Weise Zeit und Energie für wissenschaftliche Herausforderungen gewinnen. Die Brücken, die wir bspw. durch unser gemeinsames Postdoc-Programm bauen und durch unser Seed Money Program anstoßend finanzieren, werden hoffentlich in der Zukunft so tragfähig sein, dass sie an der bilateralen Zusammenarbeit interessierte Forscherinnen und Forscher zu weiteren Projekten anregen. In diesem Bereich bin ich optimistisch, dass uns dies gelingen wird – nicht nur, weil hier in den letzten Jahren viel Neues entstanden ist.


Welche Empfehlungen geben Sie, auf Basis Ihrer Erfahrungen, anderen Akteuren mit auf den Weg?

Russland bietet, dank seiner Integration in den europäischen Hochschulraum, hervorragende Möglichkeiten der Zusammenarbeit, sowohl auf dem Gebiet der Forschung als auch in der Lehre. Wie wir in der deutsch-russischen Expertengruppe zur Erarbeitung von Empfehlungen für gemeinsame Master-Studiengänge und Promotionsverfahren, eingerichtet 2017 von der HRK und der russ. Assoziation der führenden Hochschulen - ihrem russischen Pendant, feststellen, sind allein die Formen im Bereich der Lehrkooperation äußerst unterschiedlich und zugleich zahlreich. Während für die Wissenschaft allgemein angenommen wird, dass sie keine Grenzen kennt, so trifft dies meiner Überzeugung nach auch auf die Lehre zu. Auf beiden Feldern gibt es noch viel zu bestellen! Und wenn einmal ein Projekt nicht so vorangeht wie ursprünglich gedacht, dann entschädigt ein Spaziergang durch die geschichtsträchtigen russischen Städte im Westen des Landes oder ein Ausflug in die Ebenen und Berge im Osten allemal…


Leiter des Verbindungsbüros der Freien Universität Berlin in Moskau
Director Liaison Office of Freie Universität Berlin in Moscow
Представитель Freie Universität Berlin в Москве
Tel. +7 495 234 83 59 
moscow@fu-berlin.de