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Zusammenarbeit der Max-Planck-Gesellschaft mit russischen Wissenschaftsorganisationen

Felix Kahle, Referatsleiter für internationale Beziehungen Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Zusammenarbeit der Max-Planck-Gesellschaft mit russischen Wissenschaftsorganisationen

Welche Erfahrungen haben Sie mit der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit?

Ausdruck der guten Zusammenarbeit zwischen Max-Planck-Gesellschaft und russischen Partnern ist u.a. die konstant hohe Anzahl russischer Gastwissenschaftler*innen an Max-Planck-Instituten. 2019 zählten wir 380 russische Gast- und Nachwuchswissenschaftler*innen sowie knapp 90 Kooperationsprojekte mit russischen Partnern. Die Zusammenarbeit entwickelt sich stetig und dynamisch nicht zuletzt im Hinblick auf zentrale Großprojekte. 


Welche sichtbaren Ergebnisse sind aus der Zusammenarbeit der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) mit russischen Partnereinrichtungen inzwischen entstanden und welche Ziele werden verfolgt?

Mit Russland verbindet die Max-Planck-Gesellschaft eine Reihe von Leuchtturmprojekten. Exemplarisch steht dafür das deutsch-russische ICARUS-Experiment. Icarus ist eine internationale Kooperation zur Beobachtung von Tieren aus dem Weltraum (International Cooperation for Animal Research Using Space). In ihr arbeiten Wissenschaftler mit dem Ziel zusammen, ein satellitengestütztes System zur Beobachtung kleiner Tiere, wie zum Beispiel Vögel, Fledermäuse oder Wasserschildkröten zu entwickeln. Die Wanderbewegungen von Tieren rund um den Globus werden von der ISS (Internationale Raumstation) aus verfolgt. Es handelt sich um ein bilaterales Kooperationsprojekt mit internationalen Partnern. Russland und Deutschland etablieren sich damit als weltweit führend im Bereich der Tierbeobachtung. Partner dieses Leuchtturmprojekts sind das MPI für Ornithologie und die Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf deutscher Seite sowie mehrere Institute der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAS) und der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos auf russischer Seite.

Aus dem All betrachtet: Lebensbedingungen und Wanderungsbewegungen von Tieren auf der Erde

Mit der Installation der Icarus-Antenne auf der ISS im August 2018 ist das Icarus-System komplett. Mit Icarus wollen Wissenschaftler mehr über das Leben der Tiere auf der Erde herausfinden: auf welchen Routen Tiere wandern und unter welchen Bedingungen sie leben. Diese Erkenntnisse dienen der Verhaltensforschung, dem Artenschutz und der Erforschung der Ausbreitungswege von Infektionskrankheiten bis hin zur Vorhersage von ökologischen Veränderungen und Naturkatastrophen. Die Forscher rüsten dabei unterschiedliche Tierarten mit Minisendern aus, die ihre Messdaten an eine Empfangsstation im All schicken. Diese übermittelt sie an eine Bodenstation, von dort gelangen sie an die jeweiligen Forscherteams. Die Resultate werden in der für jedermann frei zugänglichen Datenbank Movebank veröffentlicht.

Messung von Treibhausgasen in der sibirischen Taiga

Ein weiteres Beispiel für die Kooperation zwischen MPG und russischen Partnern an zukunftsweisenden Themen stellt der Klima-Messturm (ZOTTO) dar. Mitten in der sibirischen Taiga erforschen Wissenschaftler des Jenaer Max-Planck-Instituts für Biogeochemie gemeinsam mit Forschern des russischen Sukachev Forstinstituts in Krasnojarsk und des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz die Wechselwirkungen zwischen Treibhausgasen und dem Klimawandel. Die sibirischen Wälder sind eine wichtige Senke im globalen Kohlenstoffkreislauf. Insgesamt speichern sie etwa zehn Prozent des weltweiten Kohlenstoffdioxids. Bislang fehlen zuverlässige Untersuchungen, die zeigen, wie sich steigende Temperaturen und höhere Konzentrationen der Treibhausgase auf den globalen Kohlenstoffkreislauf auswirken. Der 300 Meter hohe Messturm soll diese Lücke schließen helfen. In den nächsten 30 Jahren wird er als Langzeit-Observatorium neben meteorologischen Parametern wie Temperatur, Wind und Luftfeuchtigkeit vor allem die Konzentration und die Mischungsverhältnisse der verschiedenen Treibhausgase messen. Die abgeschiedene Lage, weitab von jeglicher Zivilisation, stellt die Forscher dabei vor besondere Herausforderungen.



Worin sehen Sie die besondere Bedeutung der deutsch-russischen Wissenschaftszusammenarbeit?

Die Max-Planck-Gesellschaft sucht weltweit die Zusammenarbeit mit den wissenschaftlich „besten Köpfen“. Dabei ist Russland ein bewährter Partner sowohl hinsichtlich wegweisender Kooperationsvorhaben wie auch hinsichtlich des Potenzials an gut ausgebildeten und kreativen Wissenschaftlern*innen. 



Welchen Schwerpunkt wollen Sie im dt.-russ. Themenjahr unter der Schirmherrschaft beider Außenminister für die deutsch-russische Wissenschaftszusammenarbeit setzen? Wie ist Ihr Ausblick in die Zukunft? Welche Empfehlungen geben Sie, auf Basis Ihrer Erfahrungen, anderen Akteuren mit auf den Weg?

Die Kooperations- und Austauschbeziehungen zwischen Max-Planck-Instituten und Russland sind vielfältig. Entsprechend des Selbstverständnisses der MPG als bottom-up getriebene Grundlagenforschungseinrichtung sind sie stets personenbezogen und damit von den spezifischen Interessen unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geleitet. Diese bewährte Form der Zusammenarbeit – für die u.a. oben genannten Leuchtturmprojekte stehen - weiterzuentwickeln ist ein zentrales Anliegen der MPG. Voraussetzung dafür ist die Einhaltung internationaler wissenschaftlicher Qualitätsstandards sowie der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis und die Gewährleistung der Wissenschaftsfreiheit. Die jüngst getroffene Entscheidung der russischen Regierung zur Rücknahme des Erlasses zum Umgang mit internationalen Kontakten in der Wissenschaft ist in dieser Hinsicht vielversprechend. 


Felix Kahle
Referatsleiter für Internationale Beziehungen
Head of Division of International Relations
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
Tel.: +49 89 2108 -1271/1270
E-Mail: Kahle@gv.mpg.de