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Mut zur Lücke

Rudolf Smolarczyk, Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

Mut zur Lücke

Welche Erfahrungen haben Sie mit dt.-russ. Partnerschaften im Hochschulbereich?

Seit 1992 hat sich die Anzahl von rund 300 Hochschulkooperationen mit Russland auf gegenwärtig 950 mehr als verdreifacht. Das begrüßen wir. In der internationalen Hochschulzusammenarbeit setzt sich die HRK stets für eine Optimierung der Rahmenbedingungen ein. Mit der russischen Vereinigung Führender Universitäten haben wir gegenwärtig eine gemeinsame Expertengruppe, die an Empfehlungen für gemeinsame Masterstudiengänge und Promotionsverfahren arbeitet. Das Interesse an einem positiven Ergebnis ist auch auf der russischen Seite sehr hoch.


Welche sichtbaren Ergebnisse sind aus dieser Kooperation mittlerweile entstanden?

Für die Hochschulzusammenarbeit sind primär die darin involvierten Personen entscheidend, Professoren, Doktoranden und Studenten. Damit sich diese aber ihren Kernaufgaben in Forschung und Lehre widmen können, ist ein Mindestgrad an Institutionalisierung erforderlich, um die Beziehungen effektiver und auch nachhaltiger zu gestalten. Die Hochschulleitung und die Hochschulverwaltung haben hier eine wichtige Rolle. In den letzten Jahren haben wir an dieser Stelle in Deutschland große Fortschritte gemacht und wünschen uns, dass andere Länder, dabei auch Russland, in ähnliche Richtung arbeiten. Wir sehen, dass im Zuge der Hochschulreformen seit 2006 die Autonomie der russischen Hochschulen in akademischen Belangen und bei der Gestaltung ihrer internationalen Aktivitäten, die durch staatliche Programme sichtbar gewollt sind und gestärkt werden, zunimmt. Wir sehen aber auch den bürokratischen Aufwand, der mit den Reformen einhergeht und Ressourcen bindet.


Worin sehen Sie die besondere Bedeutung der deutsch-russ. Hochschulkooperationen?

Vielleicht sind es die reichen historischen Wurzeln? Entscheidend scheint mir, dass die Beteiligten in ihrer Zusammenarbeit einen gegenseitigen Gewinn sehen. Dass sich die Kooperationen auszahlen, kann man indirekt aus der Anzahl der auf beiden Seiten beteiligten Institutionen schließen: rund 200 Hochschulen in Deutschland und 250 in Russland. Die HRK begrüßt deshalb die zwischenstaatlichen Initiativen, wie das Wissenschaftsjahr und die Roadmap, die das erreichte Kooperationsniveau zu halten und auszubauen suchen. Die schwierigen globalpolitischen Rahmenbedingungen machen dies dringend erforderlich.


Wie blicken Sie in die Zukunft? Welchen Rat geben Sie anderen Projekten mit auf den Weg?

Wenn das wissenschaftliche Ergebnis stimmt, werden die Beziehungen weiterwachsen. Angesichts der Qualität der Hochschulsysteme mache ich mir darüber keine Sorgen. Andererseits sehe ich in Russland einen erheblichen Verzug bei der Implementierung der Grundprinzipien des Bologna Prozesses, wie beispielsweise Modularisierung und vom Staat unabhängige Akkreditierung von Studiengängen, obwohl Russland dem Bologna Prozess bereits 2003 beigetreten ist. Daraus resultieren teilweise unüberwindliche formale Hürden z.B. bei der Anerkennung, die für die Etablierung gemeinsamer Studienstrukturen entscheidend ist. Dieses auch sonst schon schwierige Thema erfordert dann zusätzlich erheblichen organisatorischen und zeitlichen Aufwand. Dieser Aufwand sollte deshalb bereits bei der Planung von Aktivitäten klar angesprochen werden. Ich empfehle hier den sogenannten Mut zur Lücke: Wenn es nicht geht, dann machen wir es lieber nicht und konzentrieren uns auf einfachere Formate. 


Rudolf Smolarczyk, Hochschulrektorenkonferenz (HRK)
Referatsleiter C4: Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen in Mittel- und Osteuropa sowie Zentralasien
Ahrstraße 39, 53175 Bonn
Smolarczyk@hrk.de

Tel.: +49 228 887-171