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Empathie für die Sicht des Anderen öffnet Türen (und Herzen)

Dr. Stephanie Jacobs, Leiterin Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig

Empathie für die Sicht des Anderen öffnet Türen (und Herzen)

Wer sind die Partner und was waren die Gründe, diese Partnerschaft zu bilden? 

Die Partnerschaft zwischen Russischer Staatsbibliothek (RGB) und Deutscher Nationalbibliothek (DNB) geht auf den Herbst des Jahres 1945 zurück, als russische Soldaten die wertvollsten Bestände des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der DNB (weltweit ältestes Buchmuseum) nach Moskau verbrachten. Als kriegsbedingt verlagertes Kulturgut bewahrt die RGB die Bestände seitdem in Moskau, darunter mittelalterliche Handschriften, Inkunabeln (Druckerzeugnis aus der Frühzeit des Buchdrucks), eine Pergament-Gutenbergbibel, alte Drucke und seltene Textildrucke. Unser im Oktober 2019 unterzeichneter Kooperationsvertrag zur virtuellen Rekonstruktion der verteilt bewahrten Sammlungen zielt auf eine Digitalisierung und weltweite Bereitstellung „open source“ (sprich: offen zugänglich) – damit im Internet „zusammenwachse, was zusammengehört“. Flankiert wird das Projekt von der Kulturstiftung der Länder und vom Deutsch-Russischen Bibliotheksdialog. 

Welche sichtbaren Ergebnisse sind aus dieser Kooperation/diesem Projekt inzwischen entstanden und welche Ziele wollen Sie erreichen?

Ziel ist die Digitalisierung zweier an zwei Standorten bewahrten Sammlungen mit einem Gesamtumfang von ca. 33.000 Bänden. Die Digitalisate (die durch Digitalisierung bereitgestellten Dokumente) einschließlich Struktur- und Metadaten werden nach Abschluss des Projektes im Netz frei zur Verfügung gestellt und damit in den weltweiten Austausch des Wissens eingespeist. Dadurch geraten gemeinsame Forschungsfragen in den Vordergrund; die Frage, wem das kulturelle Erbe „gehört“, verliert an Wirkmächtigkeit. 

Worin sehen Sie die besondere Bedeutung Ihrer Partnerschaft/Ihres Projektes?

Das Besondere an unserer Kooperation liegt darin, das komplexe Thema des kriegsbedingt verlagerten Kulturguts aus der politischen Sphäre herauszulösen und im Bereich der international agierenden Forschung mit konkreten Zielvorgaben, aber auch mit einer Vision zur Bedeutung von Kultur für den länderübergreifenden Dialog anzugehen. 

Welchen Schwerpunkt wollen Sie im dt.-russ. Themenjahr unter der Schirmherrschaft beider Außenminister für Ihre Kooperation setzen? Welche Empfehlungen geben Sie, auf Basis Ihrer Erfahrungen, anderen Projekten mit auf den Weg?

Wenn es Forschungsprojekten gelingt, Wunden der Geschichte in gemeinsame Projekte zu verwandeln und Grenzen durch kulturelle Aktivitäten zu überwinden, weckt das berechtigte Hoffnungen auf eine gemeinsam gestaltbare Zukunft. Das ist für mich das eigentliche Ziel des Themenjahres: gegenseitiges Verständnis für unseren jeweiligen Blick auf die Geschichte zu schaffen. Daher meine Empfehlung für gemeinsame Projekte: Empathie für die Sicht des Anderen öffnet Türen (und Herzen).