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Erfolgsmodell GRIAT in Kasan (Republik Tatarstan) Ingenieurstudiengänge nach deutschem Standard

Prof. Dr. Peter Scharff, Vizepräsident des GRIAT und Rektor der Technischen Universität Ilmenau

Erfolgsmodell GRIAT in Kasan (Republik Tatarstan) Ingenieurstudiengänge nach deutschem Standard

Wer sind die Partner und was waren die Gründe, diese Partnerschaft zu bilden? 

Das German Russian Institute of Advanced Technologies (GRIAT) ist eine Kooperation zwischen der Kasaner Nationalen Technischen Forschungsuniversität Tupolev (KNRTU-KAI) und einem deutschen Konsortium bestehend aus TU Ilmenau, Otto-von Guericke Universität Magdeburg und TU Kaiserslautern. Das Projekt wird vom DAAD und der Republik Tatarstan mit dem Ziel gefördert, Ingenieurstudiengänge nach deutschen Standards an der KNRTU-KAI zu etablieren. Zu diesem Zweck exportieren die Partner derzeit neun viersemestrige englischsprachige Masterstudiengänge nach Kasan. Das dritte Semester verbringen die Studierenden an einer der deutschen Partneruniversitäten. Außerdem wird die Lehre durch eine „Flying Faculty“ unterstützt, dies sind Professoren aus Deutschland, die zu Blockseminaren nach Kasan reisen. Am Ende des Studiums erhalten die erfolgreichen Studierenden einen Doppelabschluss, d.h. ein russisches und ein deutsches Masterzeugnis. 


Welche sichtbaren Ergebnisse sind aus dieser Kooperation/diesem Projekt inzwischen entstanden und welche Ziele wollen Sie erreichen?

Das GRIAT ist das derzeit größte deutsch-russische Bildungsprojekt und das einzige vom DAAD geförderte „Transnationale Bildungs-Projekt“ in einem entwickelten Industrieland. In den fünf Jahren seines Bestehens hat das GRIAT ein hohes akademisches Renommee erlangt. Mehr als 120 Absolvent*innen haben ihre Masterarbeiten erfolgreich verteidigt und einen Double-Degree erworben. Obwohl die GRIAT-Alumni auf dem Arbeitsmarkt begehrt sind, entschieden sich bisher ca. 30 Prozent der Absolvent*innen für eine wissenschaftliche Karriere, d.h. Promotionen in Russland oder Deutschland. Die wissenschaftliche Reputation des Instituts wird durch eine wachsende Anzahl kooperativer Publikationen in renommierten Fachzeitschriften sichtbar. Diese Sichtbarkeit soll in den kommenden Jahren gesteigert werden, u.a. durch Doppelpromotionen und kooperative Forschungsprojekte. Zudem soll sich GRIAT als Marke mit hohem Bekanntheitsgrad in den Hochschullandschaften Russlands, der GUS und Deutschlands fest etablieren sowie seine Verbindungen zu wissenschaftlichen Institutionen und zur Wirtschaft festigen und ausbauen. Ein weiteres Ziel besteht darin, deutlich mehr deutsche Studierende für einen Studienaufenthalt in Kasan zu begeistern.



Worin sehen Sie die besondere Bedeutung Ihrer Partnerschaft/Ihres Projektes?

Die Gründung des gemeinsamen Instituts 2014, in politisch schwierigen Zeiten, markierte einen Meilenstein in der hochschulpolitischen Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation. Da das Projekt Dimensionen internationaler Wissenschaftskooperation, der Bildungszusammenarbeit und des kulturellen Austausches einschließt, erfüllt es eine Brückenfunktion zwischen Deutschland und Russland und leistet einen Beitrag zur Internationalisierung der beteiligten deutschen und russischen Universitäten. Darüber hinaus ist das Institut von wirtschaftlicher Relevanz, denn es deckt einen Bedarf an forschungs- und entwicklungsnahen, international geprägten Fachkräften bei lokalen und internationalen Unternehmen in Tatarstan.


Welchen Schwerpunkt wollen Sie im dt.-russ. Themenjahr unter der Schirmherrschaft beider Außenminister für Ihre Kooperation setzen? 

Ziel ist es in unserer Partnerschaft, die deutsch-russischen Beziehungen zu stärken und gleiche Voraussetzungen und Abschlussmöglichkeiten für unsere Studierenden zu schaffen. Dies betrifft u.a. die Möglichkeit eines Doppelabschlusses für Studierende der deutschen Hochschulen. Hier gibt es derzeit rechtliche Hürden. Da es zwischen deutschen und russischen Hochschulen eine sehr lange Tradition der wissenschaftlichen Zusammenarbeit gibt, wäre es vorteilhaft, wenn der Austausch von Wissenschaftler*innen noch stärker vereinfacht werden könnte. Wir möchten die Plattform des Deutsch-Russischen Themenjahres nutzen, um uns mit der russischen Seite zu einem unbürokratischen Zugang zu Stipendien/Förderung insbesondere für Dozent*innen auszutauschen. Hier gibt es noch viel Potential, das es sich auszuschöpfen lohnt, damit es nicht zu einem Rückgang derjenigen Vorlesungen und Seminare in Russland kommt, die von Kolleg*innen deutscher Hochschulen gehalten werden.



Univ.-Prof. Dr. rer. nat. habil. Dr. h. c. mult. Prof. h. c. malt.
Peter Scharff
Ehrenbergstraße 29 (Ernst-Abbe-Zentrum), Zi. 3322
Tel. +49 3677 69-5001
Fax +49 3677 69-5009
rektor@tu-ilmenau.de