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Das Deutsch-Russische Themenjahr - ein Katalog couragierter Ideen

S.E. Shvydkoy, Sonderbeauftragter des Präsidenten der RF für internationale kulturelle Zusammenarbeit

Das Deutsch-Russische Themenjahr - ein Katalog couragierter Ideen

1. Über das Themenjahr Hochschulkooperation und Wissenschaft

Zur Fortsetzung der Tradition der "Themenjahre" mit Deutschland wurde in den Jahren 2018 bis 2020 - unter der Schirmherrschaft der Außenministerien der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland - das Deutsch-Russische Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft durchgeführt. Dieses Projekt wurde am 6. Dezember 2018 in Mailand, im Rahmen der Sitzung des OSZE-Außenministerrates, während des Treffens zwischen Sergej Lavrov und Heiko Maas, offiziell gestartet.

Wenige Tage später, am 10. Dezember 2018, wurde während des Besuches der Bundesministerin für Bildung und Forschung A. Karliczek die „Deutsch-russische Roadmap für die Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation“ unterzeichnet, mit der die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung für die nächsten zehn Jahre strategisch neu ausgerichtet werden soll.

Wir verstehen alle, dass die Wissenschaft trotz geografischer und anderer Grenzen die WissenschaftlerInnen verschiedener Ländern immer vereint. Ich denke, dass sich das Themenjahr bereits positiv auf die Stärkung der deutsch-russischen Wissenschafts- und Bildungskooperation ausgewirkt hat, da die Möglichkeit geboten wurde, Studierende, DoktorandInnen, ForscherInnen sowie InnovatorInnen aus Russland und Deutschland zusammenzubringen. Im Rahmen der bilateralen Beziehungen unserer Länder kann das als Erfolg verbucht werden.

Die Erfahrungen, die wir während der Durchführung des Themenjahres gewonnen haben, werden wir zweifellos positiv in weitere „verwandte“ Bereiche der bilateralen Zusammenarbeit einfließen lassen, so zum Beispiel die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, Kontakte auf interregionaler Ebene, Kommunikation zwischen jungen Menschen und Berufsgemeinschaften. Dies sind eng miteinander verbundene Bereiche, die für die russisch-deutschen Beziehungen hohes Synergiepotential haben.


2. Zu den Aspekten der russisch-deutschen Zusammenarbeit im sozialen Bereich

Aktuell liegt das Augenmerk auf dem Bereich Gesundheitswesen. Im Rahmen der Bekämpfung des neuen  COVID-19 Virus wurden Arbeitskontakte zwischen den Gesundheitsministerien der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland sowie zwischen Rospotrebnadzor und dem deutschen Robert-Koch-Institut für Infektionskrankheiten zur Kooperation bei der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie hergestellt.

Am 29. April 2020 fand eine Videokonferenz zwischen dem Gesundheitsminister der Russischen Föderation M. A. Murashko und dem Gesundheitsminister der Bundesrepublik Deutschland J. Spahn statt. Am 6. Juli 2020 empfing M. A. Murashko den Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Herrn von Geyr, um die Gespräche fortzusetzen. Es wurde ein Abstimmungsverfahren zu verschiedenen Möglichkeiten der bilateralen Kooperation auf dem Gebiet der Arzneimittelentwicklung gegen das neue Coranavirus eingeleitet.


3. Über weitere Schritte zur Entwicklung der Zusammenarbeit im Bereich Wissenschaft und Bildung sowie im Bereich Forschung und Technologie

Mit der „Deutsch-russischen Roadmap für die Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation" werden in den kommenden zehn Jahren vier Schwerpunkte in der Zusammenarbeit gesetzt, 1. Große Forschungsinfrastrukturen, 2. Prioritäten, wie z.Bsp. die Meeres- und Polarforschung, 3. Young Talents Program und 4. Transfer von Forschungsergebnissen durch Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und die Kommunikation in die Gesellschaft erhöhen. Die NachwuchswissenschaftlerInnen aus Russland und Deutschland vertreten als Botschafter und Botschafterinnen jede Fachrichtung. Anlässlich der Unterzeichnung der Roadmap wurde eine Ausstellung organisiert, bei der sich die BesucherInnen mit Best Practice Beispielen der bilateralen Zusammenarbeit im Bereich Wissenschaft und Technologie vertraut machen konnten.

Meines Erachtens nach sollte der Schwerpunkt auf der Umsetzung gemeinsamer Großforschungsprojekte liegen. Konkret spreche ich hier von der Beteiligung deutscher Kollegen und Kolleginnen bei der Gestaltung des Internationalen Zentrums für Neutronenforschung auf Basis des PIK-Reaktors (ICNR).

Die Durchführung gemeinsamer Großforschungsprojekte wurde auch am 25.06.2020 während der Sitzung der Gemeinsamen Deutsch-Russischen Kommission für wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit (WTZ) erörtert. Russische Vertreter informierten im Verlauf der Gespräche über die Ausarbeitung einer entsprechenden internationalen Konvention und zeigten mehrere Möglichkeiten auf, wie sich Deutschland an diesem Schritt beteiligen könnte.

Wissenschaft ist von Natur aus international. Ich erinnere mich gerne an meinen Besuch am Vereinigten Institut für Kernforschung, an dessen Standort eine internationale wissenschaftliche Forschungsinfrastruktur der Zukunft gestaltet wird, um die Geheimnisse der Struktur der Materie zu erforschen, zum Beispiel im Rahmen des NICA-Projekts. Ich freue mich sehr, dass im Rahmen des Themenjahres unter anderem die Vereinbarung über die Beteiligung deutscher PartnerInnen am NICA-Projekt Projekt unterzeichnet worden ist. Wichtig dabei ist, dass die bilaterale Zusammenarbeit hier auch als Katalysator für die Umsetzung solcher Großprojekte unter Beteiligung vieler Länder fungiert.


4. Über den Einfluss des Themenjahres auf die Perspektiven der Zusammenarbeit mit Deutschland im Bereich Wissenschaft und Bildung

Insgesamt ist es trotz der Coronavirus-Pandemie, gelungen über 100 Veranstaltungen unter dem Motto des Themenjahres in beiden Ländern zu organisieren, teilweise auch im virtuellen Format. Hervorheben möchte ich besonders, die Veranstaltungen, die im Rahmen der Berlin Science Week bilateral organisiert wurden sowie das "Deutsch-Russische Forum der universitären Forschung", welches anlässlich der Halbzeit des Themenjahres am 02. und 03. Dezember 2019 in der nationalen Forschungsuniversität MISIS in Moskau stattfand. Etwa 300 WissenschaftlerInnen, Studierende und Fachverantwortliche aus den beteiligten Ministerien und Wissenschaftsinstitutionen waren der Einladung zur Veranstaltung gefolgt.    

In wenigen Tagen, am 15.09.2020, findet die Abschlussveranstaltung des Deutsch-Russischen Jahres der Hochschulkooperation und Wissenschaft statt, die aufgrund der aktuellen Beschränkungen durch die weltweite Corona-Pandemie als eine hybride Veranstaltung stattfinden wird. Im Rahmen der Abschlussveranstaltung werden am gleichen Tag in einem separaten Setting die GewinnerInnen des Wettbewerbs „Brücken für die deutsch-russische Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit“ ausgezeichnet.

Ich glaube, dass das Themenjahr gewissermaßen zu einem groß angelegten „Brainstorming“ geworden ist. Es hat uns allen mit einem Katalog couragierter Ideen wichtige Denkanstöße geliefert. Ich hoffe sehr, dass diese Ideen gelebte Wirklichkeit werden und ich bin mir sicher, dass die zukünftigen Generationen enorm davon profitieren können.